Olympia (Optima) Plana, Bj. 1947 (66)

Abgeholt: Januar 2019 in Hamburg Schenefeld
Modell: B
Herkunft: Deutschland / DDR
Seriennummer: 198386
Baujahr: 1947 BRD / ca. 1950 DDR
Mechanik: Vorderaufschlag
Farbband: 13 mm, Din 2103 Spulen
Sonderzubehör: keines
Teilrestauriert von: Heiko Stolten im Februar 2021

Ich habe lange überlegt ob es Sinnvoll ist diese Schreibmaschine hier vorzustellen. Ich mochte sie nie, ich hab sie Stiefmütterlich behandelt und kann immer noch keinen großen Gefallen an ihr finden. Sie sieht aus als wurde sie aus mehreren nicht ganz zusammengehörigen Teilen gebaut sein. Und genau das ist sie auch, wie sich herausstellen wird.
Denn sie ist eine Rarität im Sinne von:
„Aus jedem Dorf ein Dackel“!

Wie die Plana an die Wand kam

Ich hatte die Optima Plana im Januar 2019 als sogenannten „Beifang“ mitnehmen müssen. Ich hatte eine Triumph 10 für sehr kleines Geld bekommen, musste aber als Gegenleistung weitere fünf Maschinen nebst zwei Rechenmaschinen mit nehmen. Lagerräumung sozusagen. Und in diesem Konvolut war die „scheinbare“ Optima Plana als eben dieser Beifang enthalten. Und weil sie für mich ein uninteressanter „Beifang“ war, sie mich absolut nicht interessierte, weil sie ein DDR Produkt zu sein schien, sie zudem in einem schlechten Zustand war, verbannte ich sie zunächst ganz weit nach hinten in die Ecke für ungeliebte Schreibmaschinen. Hier stehen die Maschinen die ich bei Gelegenheit auseinander nehme und die ich dann in die Ersatzteilschublade (Schrauben, Federn, etc) sortiere. Das war der Stand im Januar 2019. Im April 2019 änderte sich das Schicksal der Optima Plana bereits zu ihrem Gunsten. Ich hatte die Schreibstube Krempe eröffnet. Und weil die „Optima Plana“ vorne neben der Leertaste zwei schöne Löcher hat, eignete sie sich hervorragend dafür sie als Deko an die Wand zu schrauben. Da hing sie nun seit dem März 2019.

Nein, nicht die Continental. Oben rechts hängt die „Optima Plana“ dekoriert mit Farbband in der Schreibstube.
Man sieht, einige Typen stehen hervor, deren Führung verbogen sind.
Im Original Fundzustand

Eine geheimnisvolle Zwitter Schreibmaschine

Für mich, weil sie mich nicht interessierte, war sie seit ich sie bekam nur eine uninteressante DDR Schreibmaschine. Als Deko aber durchaus brauchbar. Erst im Februar 2021, ich hatte gerade keine Schreibmaschine mehr aufzuarbeiten, nahm ich die Plana von der Wand. Ganz nach dem Motto: „Du hängst hier zwar an der Wand, könntest aber trotzdem weitaus besser aussehen“.
Gedacht – Gesagt – Getan!

Nun änderte sich das Schicksal der Optima Plana. Erstmals, seit sie an der Wand hing, hatte ich mich für ihre Seriennummer interessiert (198386) die eindeutig in der Liste bei Optima Plana nicht zu finden war. Seltsam!!!
Optima Plana Maschinen beginnen mit der Seriennummer 203759 im Jahr 1950, also 5373 Nummern vor dieser, also meiner Plana. Ein Blick in die Listen von Olympia besagt das diese Seriennummer wohl auf eine Olympia Plana hinweisen würde die 1947 das Werk verlassen haben muss. Drei Jahre zuvor also.

Seriennummer Mitte rechts

Eine Anfrage beim I.F.H.B. ergab das es sich offensichtlich um eine Originale Olympia Plana handelt die um 1950 herum für oder durch die DDR Optima Werke umgebaut worden sein könnte. Man bediente sich vielleicht der Restbestände des im Krieg zerstörtem Olympia Werks in Erfurt und fertigte daraus Schreibmaschinen die in „Optima“ umbenannt wurden? Notgedrungen!
Nur wie konnte eine Nachkriegsmaschine, Baujahr 1947 erst 1950 von den Optima Werken heraus gebracht werden? Wie gelangte eine Produktion aus dem Westen, und das noch zur Zeit des Namensstreits, im Jahr 1948 um das Wort „Olympia“, in den Osten?
Kooperation ?
Privater Umbau?

Die Grenzen waren 1950 noch Halbwegs offen.
1948/49 lief die Produktion der Westdeutschen Olympia Plana aus und es kam die erste Orbis, und 1949 die erste Olympia SM auf den Markt.
Hatte Olympia möglicherweise Restposten an Orbis verkauft? Die Optima Plana wurde in der DDR noch bis 1959 weiter gebaut.

Es gab nach dem Krieg die sogenannte „Schreibmaschinen-Krise“. Die Werke waren größtenteils zerstört und sie lagen zum großem Teil im Osten Deutschlands das jetzt die Sowjetisch besetzte Zone war. Die West-Werke mussten erst wieder aufgebaut werden und in der Zwischenzeit fehlten allerorten Schreibmaschinen, denn unzählige wurden durch Kriegseinwirkung zerstört. Es gab in der Zeit des Wiederaufbaus einen hohen Bedarf an Schreibmaschinen die jedoch nicht vorhanden waren. Schreibmaschinen waren wohl derzeit Gold wert. So auch in der SBZ. Und diese Optima (Olympia) Plana könnte so ein Beispiel, geboren aus der Not heraus gewesen zu sein
Man nutze wohl Restbestände und verpasste dem Innenleben einer, also dieser 1947er Olympia Plana eine gegossene Außenhaut aus Metall. Schnell noch Optima-Plana als Decal darauf, und fertig war die Ost-Plana. Nicht schön, denn die Original Olympia Plana war aus dunkelbraunem Bakelit gefertigt, und das Gehäuse fehlte dieser Plana wohl, oder es war zerbrochen. Jedoch nicht die Seitenteile des Wagens und der Papierführung. Diese sind bei meiner „Plana“ noch Original Olympia Teile. Auf der Papiereinführung kann man noch den Schriftzug „Olympia Plana“ erahnen. Wurde der absichtlich entfernt?

Olympia Plana ist hier noch undeutlich zu erkennen,

Das war wirklich schwierig zu fotografieren, und ich musste etwas mit Photoshop nachhelfen um den entfernten Schriftzug für das Foto sichtbar zu machen. Das Decal des Original Schriftzugs wurde offenbar entfernt, eine leichte Erhabenheit bleib aber zurück die man noch sehen kann wenn man es in einem bestimmten Winkel beleuchtet und so betrachtet.

Diese Optima Plana ist also eine für den Ostmarkt umgebaute Olympia Plana. Und da das Optima-Werk erst 1950 seinen Betrieb, nach dem verlorenem Rechtsstreit mit Olympia um den Firmennamen aufnahm, wurde diese „Olympia Plana“ aus dem Jahr 1947 erst frühestens 1950 als „Optima Plana“ auf den Ost-Markt gebracht. Eine Schönheit entstand so nicht, denn die bräunlichen Originalteile der Olympia beißen sich jetzt, wie ich finde, mit dem schwarzem Lack der Optima Verkleidung.

Schwazbraun ist die Haselnuss! Wie der alte Schlager nicht wirklich schön

Innenansichten

Links Olympia Plana Schreibmaschine – Rechts Optima Gehäuse!
Mehr war nicht nötig! Die Maschine war, als ich sie bekam in einem bedauernswertem Zustand. Einige Führungen der Typen waren verbogen, so das die Typen zwar funktionierten, aber etwas zu hoch im Typenkorb standen. Der Wagen ließ sich gar nicht mehr bewegen weil das Zahnrad fest saß. Die Maschine wurde wohl einst misshandelt. Der Rücktransport war ausgehakt und die Tastatur ziemlich desolat.

Hier schon im gereinigten Zustand

Ich habe Ihr nur eine Grundreinigung verpasst um sie wieder Gangbar zu machen. Ich habe mir also nicht die selbe Mühe gegeben wie ich sie mir sonst bei meinen anderen Schreibmaschinen gebe. Ich weiß nicht, vielleicht sollte ich das nachholen? Irgendwie ist sie ja, egal wie schön oder hässlich ich sie finde, ein Zeitgeschichtliches Dokument das wohl so erhalten bleiben sollte. Oder?
Nun, auseinander genommen um zu Ersatzteilen verwertet zu werden bleibt ihr erspart. Soviel ist schon mal klar. Behalten möchte ich sie allerdings auch nicht unbedingt. Na mal sehen ob sich ein Liebhaber Zeitgeschichtlicher Kuriositäten für sie findet.

Sie schreibt jedenfalls wieder, und das konnte sie vorher nicht mehr.
Die Tastatur wäre jetzt noch erwähnenswert. Nicht weil sie etwas derangiert daher kommt (ein Tastenring und zwei Glasplättchen fehlen) und die Tastenringe angerostet sind. Nein es ist der Umstand das sie mit Glastasten und Tastenringen ausgestattet ist. Ich kenne keine Plana mit Glastasten. Ich habe einige aus dem Jahr 1939 gesehen die allesamt Kunststofftasten haben. Allerdings wird mir von einem Fachmann aus unserem Sammlerverein versichert:

Mit Glastasten wurden vereinzelte Plana-Exemplare von Olympia
während der gesamten Produktionsdauer hergestellt“.

Okay – Vereinzelnd, das deutet ja auch schon mal darauf hin das sie nicht so Häufig vorkommt.
Dennoch hatte Olympia wohl selbst alles mögliche unternommen während der Schreibmaschinenkrise auch Schreibmaschinen herzustellen zu können. Und das aus allen möglichen noch vorhandenen Teilen die den Krieg überstanden hatten. Möglich das nach dem Krieg noch Glastasten von anderen Modellen verfügbar waren die so für dieses Modell Verwendung fanden.

Fazit

Diese Olympia-Optima Plana scheint ein seltenes Exemplar, zusammengebaut aus Teilen der unterschiedlichsten Jahre zu sein. Jedenfalls keine typische Plana von der Stange. Eine Schreibmaschine, geboren aus der Not der Nachkriegszeit heraus die meine Großeltern immer als die „schlechte Zeit“ bezeichnet hatten. Ich werde sie vorerst in diesem Zustand belassen. Zumindest so lange bis ich genaueres weiß. Dann werde ich weiter sehen. Schreiben werde ich jedenfalls nicht mit ihr. Ich bin gespannt ob ich heraus finde wie viele solcher Exemplare die Zeit überdauert haben.

© 2019 – 2021 Schreibstube Krempe
Fotos & Text by Heiko Stolten

3 Gedanken zu “Olympia (Optima) Plana, Bj. 1947 (66)

  1. Hallo Heiko, die Schreibmaschine stammt sicherlich aus mehreren Produktionsjahren und ist nach meiner Einschätzung durch einen Büromaschinenmechaniker oder Bastler so zusammengesetzt worden. Bakelit bricht leider recht schnell und das Gehäuse der späteren Optima-Plana aus Metall passte halt. In Erfurt wurden sofort nach dem Kriegsende bereits wieder Schreibnaschinen unter dem Namen Olympia produziert. Die Geschäftsführer der Olympia-Werke waren aus Angst vor der Sowjetischen Besatzung mit Technik und Kapital nach Wilhelmshaven geflüchtet und bauten dort ein neues Werk auf. Zunächst als Orbis Büromaschinenwerk. Aufgrund eines Rechtstreites wurde der Name Olympia dem Wilhelmshavener Werk 1950 zugesprochen und in Erfurt wurde daraufhin als Optima produziert. Gestückelte Maschinen vom Werk aus gingen nicht auf Markt, auch nicht in der DDR. 😉 Von Eberhard Lippmann gibt es zur Geschichte von Olympia und Optima ein aufschlussreiches Buch. (AEG-OLYMPIA-OPTIMA Büromaschinen aus Erfurt 1924-2004)
    Viele Grüße, Torsten 🙂

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