Adler Modell 7, Bj. 1905 (18)

Eine frühe Adler 7 von der Ostseeküste

Im November 2018 habe ich sie „Zufällig“ in Flensburg entdeckt. Eine Adler 7 aus den ersten fünf von etwa vierzig Jahren Produktionszeit.
Eine so frühe Adler ist gar nicht so leicht zu finden“, schon gar nicht wenn man nach ihr sucht. So ist es mir jedenfalls gesagt worden. Da ich nun mal „nicht“ nach ihr gesucht hatte, hatte ich scheinbar mal wieder unverschämtes Glück gehabt. 

Mit dabei der originale, schwarz lackierte Metallkoffer im guten Zustand anstelle eines Holzkoffer. Ich weiß nicht ob man sich damals für die eine oder andere Variante eines Koffers entscheiden konnte. Eine Adler 7 im Metallkoffer mit Tragegriff ist mir jedenfalls noch nicht unter gekommen. Ich frage mich wer denn um Himmels willen eine über 10 Kilo schwere Eisenbraut samt Metallkoffer trug, oder getragen hatte. Aber egal, das sieht jedenfalls so richtig antik aus. 
Und die Adler selbst? Ihr fehlt lediglich das Aufzugbändchen. Wäre es vorhanden, wäre sie sofort bereit zum Schreiben gewesen. Ansonsten ist sie komplett und in einem sehr schönen Originalzustand. 

Adler 7 1905 oben mit Deckel 1. Foto

Da ist sie. Etwas angeschimmelt, besonders die Walzen, aber fast funktionstüchtig. Adler Modell 7 von 1905

Selbstabholung

90 Minuten Fahrzeit, bzw. 133 Kilometer beträgt die einfache Entfernung von uns aus bis nach Flensburg. Klar, das versenden per Paketdienst käme günstiger als die Spritkosten. Ich hatte mich aber zu dieser Tour entschlossen um sie garantiert heil und unversehrt in Empfang nehmen zu können. Ein Paketdienst sollte keine Chance bekommen sie eventuell zu Bruch gehen zu lassen. Ich habe noch lebhaft den Frevel mit der bedauernswerten, nur in einen sehr gebrauchten Karton geworfenen Oliver Stolzenberg 4 in Erinnerung. Das mit ihr der Transport gut ging schreibe ich einer kräftigen Portion Glück zu, und das wollte ich nicht noch einmal heraus fordern. Also düste ich um 12 Uhr los, nahm sie um 14:00 Uhr in Empfang und war um 16:30 Uhr, zusammen mit meiner neuen Eisenbraut zurück. 

Die Dame wird aufgepimpt 

Erste Untersuchungen, natürlich noch am selben Tag, ergaben:
Es sieht so aus, als könnte diese Schreibmaschine mit meiner stillgelegten Adler 7 von 1909 zusammen passen. Die 1909er Adler 7 ist offensichtlich einmal herunter gefallen. Das hatte ich beim Kauf nicht bemerken können. Und zwar muss sie im Bereich der Aufzugdose aufgeschlagen sein. Die Achse für das Farbband war geringfügig verbogen. Nur wenn man es weiß sieht man bei genauer Betrachtung die leichte Biegung. Da ich sie mit abgelaufenen Aufzugbändchen erhalten hatte, war der Fehler erst nach der Reinigung zutage getreten. Das Farbband transportierte nicht weiter, weil der Mechanismus klemmte. Der Versuch die Aufzugdose zu wechseln scheiterte. Durch den Sturz wurden die Schrauben der Halteplatte im Rahmen ebenfalls verbogen und saßen extrem auf Spannung, ließen sich also keinen Millimeter mehr drehen. Selbst ein Büromaschinenmechaniker, ein alter „Adler-Hase“, den ich zu Rate zog, scheiterte daran. 
„Ersatzteillager“ war sein Kommentar. Meinen späteren Versuch die Achse per Hand wieder einigermaßen hinzu biegen quittierte die Halterung mit einem Bruch im Gusseisen. Und so schmorte sie seit dem im Ersatzteillager und harrte ihrer Dinge. Denn das schöne an ihr ist, das sie einen kompletten Schriftsatz mit kursiver Schrift hat, den ich dummerweise nun nicht nutzen konnte, denn keine meiner Adlerdamen war bereit und willens sich für eine Transplantation zur Verfügung zu stellen. Nichts passte zusammen! Die Aufnahme der Typenstangen sind alle verschieden, und die Aufnahmegabeln für die Typenstangen ebenfalls. Vom gesamten Typengehäuse mal ganz zu schweigen. Das der 1909er passte auf keine meiner Maschinen. Also Stillstand …. Bis Heute! 

Adler 7 1905 Seriennummer

Die Siebtausendachthundertundachtundvierzigste produzierte Adler Maschine. Ein Modell 7. Noch aus Kaiser’s Zeiten. 1905 – Mein Großvater war 3 Jahre alt – In Amerika wurde „Las Vegas“ gegründet – Und es wird noch 9 Jahre dauern bis Charlie Chaplin seinen ersten Film drehen wird. Lang ist’s her.

Typenstangen passen! Cool! Also wird diese Adlerdame eine mit der von mir lang ersehnten Kursiv-Schrift. Allerdings ist die neue eine mit einer Toten Taste, bzw. sie hat keine Umlaute. Das bedeutet, dass ich die linke Gabel im Gabelgehäuse wechseln muss, damit die Typenstange wieder den Schlitten bewegen kann, denn ihr fehlt logischerweise ja der Hebel zum niederdrücken des Auslösemechanismus, der wiederum den Schlitten um einen Anschlag weiter rücken lässt.

Adler 7 1905 Doppelumschalterhebel vorher.jpg

Schön Staubig. Der Hebel für die doppelte Umschaltung.

Adler 7 1905 Walzenausbau 2

Super: Die Schreibwalze lässt sich bei dieser Adler durch lösen von zwei Schrauben ganz einfach heraus nehmen. Warum bleib das nicht so? Bei der 1909er ist das schon nicht mehr möglich.

Das ist bis jetzt noch die einzige „Unbekannte“ von der ich nicht weiß ob es passen wird. Und um das heraus zu finden werde ich die Maschine komplett zerlegen müssen und parallel dazu die 1909er ebenfalls. Beide werden, nebeneinander stehend, in ihre Einzelteile zerlegt werden. 

Adler 7 1905 mit Teilespenderin

Die 1905er mit den Resten ihrer 1909er Teilespenderin für die Kursivschrift.

Na bitte! Nun schon mal das umgebaute Gehäuse wieder einsetzten und einige Typenhebel probeweise einhängen. Ebenso probeweise das gesamte Typengehäuse aufsetzten und provisorisch befestigen. Dazu die ersten vier Typenstangen einhängen und…. es bewegt sich wie es soll. Nun geht es daran die Typenhebel und Typenstangen zu putzen.

Adler Maschinen sind „Handarbeit“ ?

Meine Idee! Ich suche mir die schönsten Typenhebel aus und baue diese dann in die 1905er ein. Einige der 1905er sind etwas angelaufen, während die der 1909er schon mal von mir geputzt wurden.
Doch siehe da, einige passen nicht in ihre Führung, sie sind zu dick.
Geht das schon wieder los“!?
Mir wird klar, dass man damals bei Adler wohl jede einzelne Maschine individuell zurecht geschliffen haben musste. Anders kann ich mir nicht erklären warum innerhalb einer Maschine, und das habe ich jetzt schon mehrfach erlebt, minimal unterschiedlich dicke Hebel verbaut sind. Was muss das für eine Arbeit gewesen sein? Da muss jemand gesessen haben und bei jeder Maschine die Führungsschlitze der Typenstangen und der Typenhebel per Hand eingeschliffen haben. So lange bis die Maschine Reibungslos lief. Ebenso das Gabelgehäuse. Es passte nur minimal nicht in den Rahmen. Das muss wohl auch immer einzeln und für jede Maschine passend eingeschliffen worden sein.

Schwund

Nun weiß ich durch meine eigene Arbeit, dass beim Metallguss „Schwund“ entsteht. Das heißt, flüssiges Metall wird in eine Form gegossen und erkaltet. Wenn das Metall erkaltet zieht es sich zusammen, wird also kleiner. Etwa um 1 bis 2 %. So ist das zumindest beim Bronzeguss. Welchen Schwund Gusseisen hat weiß ich nicht, aber auch dieses Metall zieht sich beim erkalten der Form zusammen, wird also kleiner als die eigentliche Gussform. Wenn also ein Modell einer Schreibmaschine, so wie die Adler 7 über Jahrzehnte gebaut wurde, ging sicherlich so dann und wann die Gussform der Einzelteile kaputt und wurde ersetzt. Das erklärt zumindest warum Verschraubungen um Haaresbreite nicht zusammen passen. 

Umbau

Ich nehme also, weil das Gabelgehäuse aus der Teilespenderin um Haaresbreite nicht passt, das originale Gabelgehäuse der 1905er, entferne die Tote Taste und setze dafür den Hebel der 1909er ein. Passt! 

 
Adler 7 1905 Nackt 3

Oben links, neben den Rahmen. Das Gabelgehäuse.

Dazu habe ich die Maschine komplett zerlegt. Bei der Gelegenheit kann ich auch gleich gründlich von innen putzen. Auf dem Foto oben ist sie schon fertig gereinigt und poliert. Nun geht es an den Zusammenbau. Nach dem Zusammenbau funktionierten die „neuen“ Tasten nicht wirklich gut. Sie klemmten und waren schwergängig. Also alles noch einmal auseinander nehmen. Nachdem ich die „schöneren“ Tasten aus der 1909er wieder entfernt  hatte und den kompletten Tastensatz der 1905er wieder einsetzte funktionierte das ganze auch wieder Reibungslos. Nun hat sie einen Schriftsatz mit der wunderschönen kursiven Schrift. Wohl nicht Original, und Schreibmaschinen-Fachleute werden vielleicht die Hände über ihren Kopf zusammen schlagen, aber ich finde es Super. Zumal, ohne Umlaute kein wirklich schönes schreiben möglich ist. Und was soll ich mit den amerikanischen und englischen Währungszeichen? 

Adler 7 1905 Tasten vorher nachher

Links die alte, rechts die neue Tastatur

Tastenkopf Drama (Teil 1 – Der Bruch)

„Nun ist es passiert“.
Einen Tastenkopf, genauer gesagt, den für das „D“ hatte ich zu fest auf den Typenhebel angezogen, so dass das Glasplättchen darin zersplitterte. Katastrofe …! Ich war so zerknirscht, dass ich erst einmal pausierte. Eine lange Pause von zwei Tagen, weil ich wusste das die Tastenköpfe der Adler praktisch nicht abzunehmen sind ohne sie zu zerstören. Allerdings habe ich genügend zum ausprobieren, will sie aber nicht sinnlos zerstören. Irgendwann brauche ich sie sicherlich noch einmal. Ich hatte einmal etwas von „Erwärmen“ gehört. Einen Tastenkopf habe ich versucht kalt zu entfernen, welches er aber mit bösartigem „zerbrechen“ quittierte. 

Tastenkopf Drama (Teil 2 – Feueralarm)

Nächster Versuch: Backofen! Doch welche Temperatur? Ich probiere mal 80 Grad. Nach 10 Minuten ist zwar die Typenstange so heiß das, wie sollte es anders sein, ich mich an ihr trotz Topflappen verbrenne. Aber der Typenkopf sitzt trotz der Hitze noch fest wie angegossen.
100 Grad? Er wird ein wenig flexibler, sitzt aber immer noch bombenfest.
Feuerzeug?
Nur die metallene Typenstange darunter erhitzen?
„Gesagt – getan“! 
Das Feuerzeug flammt auf. Der Typenkopf aus Bakelit allerdings auch – und zwar gleichzeitig. Das Zeug ist, und das wusste ich nicht, extrem entflammbar. Das Feuerzeug an machen und das auflodern des Typenkopf sind praktisch eins. Plötzlich habe ich eine kleine Fackel in der Hand. Ich hab`s Gott sei Dank sofort auspusten können, und der Kunststoffkopf hat es auch überlebt. Allerdings ließ sich jetzt, oh Wunder, der Bakelit-Kopf abnehmen. Aber der Weisheit letzter Schluss ist das nicht. Ich kann ja nicht alle Typenköpfe abfackeln. Möglicherweise ist ein Heißluftföhn eine praktikable Lösung. 

Adler 7 1905 fertig mit kursiver Schrift.jpg

Die Belohnung. Kursive Schrift.

Drama Queen wird Fotomodell 

Diese Adler Dame war also eine echte Drama-Queen. Erst die „nicht passenden Teile“, die ein mehrfaches auseinander nehmen erforderten, dann das gebrochene Glasplättchen und zu guter Letzt auch noch Feueralarm im „D“.
Einzig das Aufzubändchen fehlt noch, was eigentlich kein Problem darstellt. Da wird im Normalfall einfach eine Nylonsehne gespannt. Aber (…)
Die Öffnung an der Aufzugdose, zum befestigen der Schnur, ist komplett anders konzipiert als bei meinen anderen Adler 7 Modellen. Die Haltenippel die ich in Reserve habe passen nicht. Außerdem braucht sie eine wesentlich dünnere Sehne weil die Aufnahme für das Bändchen erheblich dünner ist. Wenn ich also nicht einfach nur einen Knoten machen will, muss ich mir etwas passendes überlegen, denn lange auf ein Original Ersatzteil zu warten kommt nicht in Frage. Bis ich eines bekomme bastele ich mir ein Provisorium, denn ich will so schnell wie möglich mit ihr schreiben. 
Sie ist wirklich schön geworden. Es macht Spaß sie zu fotografieren.

Adler 7 1905 fertig mit Koffer

Fertig! Mit Metallkoffer. Süß, die roten Schuhe. Die besterhalten SM-Füße die ich je gesehen habe. Im Hintergrund mein Putzarsenal.

Adler 7 1905 vorher und nachher

Links im unangetastetem Originalzustand. Rechts ist sie fertig. Mit hübscheren Farbbandspulen und neuer, kursiver Schrift.

Adler 7 1905 fertig Seriennummer

Ihr Personalausweis.

Adler 7 1905 fertig von der Seite

Und hier einmal ohne den Koffer

Demnächst werde ich mich an den Aufzugmechanismus heran machen. Ich habe schon diverse Dinge zusammen getragen die ich einsetzen könnte. 

Drama Teil 3 – Der Schlitten bewegt sich nicht

Es ist zum aus der Haut fahren! Weil ich noch auf der Suche nach einem Halter für das Aufzubändchen war hatte ich versäumt auszuprobieren, ob der Schlitten beim Tastendruck auch vorrückt. Weil alles soweit zu passen schien, sich auch alles reibungslos bewegte stand die umgebaute Adler erst einmal für ein paar Tage herum, und ich hatte nicht ein einziges mal versucht den Aufzugmechanismus zu simulieren.

In der Zwischenzeit hatte ich die 1909er Adler, ihre Teilespenderin, wieder zusammen gesetzt und ihr mit einer weiteren Adler 7-Ruine ein neues Aufzuggehäuse verpasst. Ich wollte ihr auch die Typenstangen verpassen, was auch gepasst hätte. Was aber ganz und gar nicht passte, und das stellte ich erst fest als ich ein paar Tage später per Handdruck den Aufzugmechanismus simulieren wollte war; Er bewegt sich nicht.
Der Schlitten erhält keine Auslösung durch druck auf die Tasten. Ich will nicht lange drum herum reden. Der Umbau des Typengabelgehäuses war Schuld und völlig Sinnlos. Was ich nicht bemerkt hatte war folgendes. Die keinen Nasen an den Typengabeln die den Auslösemechanismus nieder drücken, damit der Schlitten um eine Position weiter rücken kann, waren zu kurz. 
Erst jetzt besah ich mir das Gabelgehäuse der 1905er und der 1909er genau. Sie sind unterschiedlich geformt, geringfügig zwar, aber eben anders. Die beiden Gabelgehäuse selbst sind sogar geringfügig verschieden in ihrer Höhe. Das bedeutet, das die Gabeln in dem höheren Gehäuse, zusammen mit den etwas kleineren und dünneren Nasen nicht genügend herunter gelangen können um den Mechanismus auslösen zu können. Und die Stange vom Auslösemechanismus zurecht biegen? Das war meine erste Idee, die ich aber vorsichtshalber wieder verwarf.

Was für eine Idiotie, dachte ich. Das ist ja wie bei modernen Geräten bei denen bewusst von Modell zu Modell unterschiedlich geformte Bauteile zum Einsatz kommen, damit man sie nicht einfach selbst tauschen kann. Diesen Unfug haben die bei Adler also auch schon gemacht. Oder waren die Feinmechanik und die dazugehörigen Maschinen noch nicht präzise genug entwickelt? Man konnte sich also damals schon nicht einfach mal selbst ein Ersatzteil besorgen, es selbst einbauen, und gut wäre es gewesen. Nun gut, eine Adler Schreibmaschine ist so was von unverwüstlich und robust, dafür war sie ja auch berühmt, dass man wohl derartige Ersatzteile nie benötigte. Erst über 100 Jahre später kommt so ein Typ wie ich auf die Idee eine Schreibmaschine von Adler umbauen zu wollen.
Fazit: Jede Adler Schreibmaschine, zumindest die Adler 7 und die Klein Adler sind offenbar so etwas wie Unikate die per Handarbeit zurecht geschliffen, gefeilt und gebogen wurden. Jetzt begreife ich auch, warum man nicht einfach einen Schlitten tauschen kann, denn das hatte ich auch schon erfolglos ausprobiert. Wenn etwas passt, von einer Maschine zur anderen, dann ist das purer Zufall. Wobei, Tasten, Anbauteile und sonstige Kleinteile haben bisher immer gepasst.

Also: Die 1905er bleibt eine Adler 7 mit Toter Taste, sowie mit ihren angestammten Typenstangen und die 1909er schreibt jetzt wieder mit ihren Kursiv-Schrift Typen und neuer Aufzugdose. Basta!

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