Hammond 2, ca. 1905 (35) „Eine ganz besondere Hammond“

25.10.2019

Anno 1620
Eine einmalige Hammond 2,
oder: „Blut ist dicker als Wasser“

Baujahr:
Etwa 1905
Seriennummer:
70337
Zubehör:
Koffer, 2 Typenschiffchen, 3 Aluplättchen, Kleinteile + Hammond Werkzeug.
Renoviert von: Heiko Stolten im Oktober 2019

Ja, da war ich um ein weiteres mal völlig erstaunt darüber wie klein die Welt doch sein kann.
Eben ein Dorf!
Diese Hammond stammt, man glaubt es kaum, tatsächlich aus meiner eigenen Familie. Okay, meine sehr weit entfernte Familie zwar, aber eben aus meiner Familie. Gefunden habe ich die Hammond 2 aber auf üblichem Weg, per Annonce.

Ahnenforschung

Meine Ahnenforschung, die ich jahrelang, und lange vor meiner Liebe zu Schreibmaschinen betrieb, führte mich einst in unsere Familienchronik zurück in das Jahr 1620, und zwar nach Leezen in Schleswig Holstein. In jenen Ort in dem 399 Jahre später, also 2019 diese Hammond 2 angeboten wurde. Ich arbeite etwa 25 Kilometer von Leezen entfernt, und könnte innerhalb von 30 Minuten vor Ort sein.
Im Nachhinein, hinterher ist man ja immer schlauer, war mir auch klar warum ausgerechnet ich, und niemand sonst diese Hammond bekommen sollte. Und als Familenmitglied bekommt auch einen Preisnachlass von 50 %.

„Schicksal, und Blut ist dicker als Wasser“!

Als ich tatsächlich den Zuschlag erhielt, zu diesem Zeitpunkt war ich noch Ahnungslos, und mir der Inserent erst jetzt seinen Nachnamen nannte, klingelte beim Nachnamen in diesem Ort etwas in mir und ich war angemessen elektrisiert. Es ist zwar nicht mein eigener Nachname, aber der Nachname des Inserenten ist mir über die Jahrhunderte auf meiner Reise durch unsere Familiengeschichte hier und da begegnet. Unsere Familien hatten sich über die Jahrhunderte immer mal wieder durch Ehen miteinander verbunden. Also ist der Inserent, so stellt sich heraus, ein weit entfernter Cousin, etwa in 10. Generation von mir. Und genau das bestätigte er mir als wir uns zum Übergabetermin trafen. Er kennt sogar meine in der Nähe von Leezen wohnende Cousine. Das ist schon echt ein Knüller.

Originalzustand. 1. Foto. Die Familien Hammond. Das Typenschiffchen liegt frei, weil das Typenrad Teilweise gebrochen ist. Es funktioniert aber trotzdem.

Zustand

Man sieht es.
Es fehlt ihr die Halbrunde, elfenbeinfarbene Abdeckung, mit der die verschiedenen Tastaturen, wenn man ein Typenschiffchen auswechselt, dargestellt werden kann.

Die rechte Farbbandspule passt zwar, ist aber wohl ein später nachgekauftes, kleineres Ersatzteil.

Sie ist etwas schwer gängig, funktioniert soweit aber tadellos. Eine Reinigung wird sie wieder geschmeidig funktionieren lassen.
Die Tasten glänzen noch und sind allesamt unversehrt, also nicht wie so oft, angebrochen oder ganz verloren gegangen.
Auch fehlt ihr das Gummiband um den Hammeraufschlag zu mildern.
Tja, und das Typenrad ist angebrochen. Es funktioniert zwar einwandfrei, und das Typenschiffchen gleitet darin hin und her, so wie es soll, aber das ist kein Zustand. Das muss behoben werden.

Dafür hat die Hammond tolle Sachen im Gepäck.
Insgesamt drei Typenschiffchen. Eines ist eingesetzt, zwei befinden sich in Holzkästchen. Eines mit Kursivschrift, eines mit vergrößerter Normalschrift und eingebaut ist das mit Normalschrift.
Dazu drei Original Hammond Holzkästchen. Im dritten Holzkästchen befinden sich weitere Alublättchen die vor den Hammer und das Farbband gespannt werden. Des weiteren kleine Einzelteile für die Maschine und Original Hammond Maulschlüssel.

Mut zur Demontage

Nun, da ich jetzt zwei Hammond Schreibmaschinen besitze, werde ich jetzt den Mut haben diese hier zu demontieren. Die andere Hammond wird mir dabei zusammengebaut als Muster zur Verfügung stehen. Nur für den Fall das ich beim zusammenzusetzen in Schwierigkeiten geraten sollte. Gelingt mein Vorhaben, profitiert meine erste Hammond davon, wird ebenfalls zerlegt und in ihrem Innern gereinigt. Besonders die Typenhebel würde ich gerne wieder auf Hochglanz bringen können. Ebenso sieht es darunter ziemlich „nach ja“ aus. Das würde ich gerne sauber haben. Um das zu tun zu können müssten die Typenhebel entfernt werden, und dazu fehlte mir bisher der Mut und vor allem die Erfahrung. Auf geht’s – Jetzt geht’s los!

So weit hatte ich mich bei der ersten Hammond auch schon vor gewagt.
Oben links die hölzerne Halterung für die Typenhebebel. Oben Mitte das neue Typenrad.
Jetzt wird es interessant. Ab jetzt betrete ich Neuland.

Die Hammond wird entkleidet

Ohne Typenhebel. Nun können sie poliert werden. Ebenso die Innereien.

Einfacher als gedacht

Sieht schlimmer aus als es ist. Das hat System, auch wenn es nicht danach aussieht.

Eine wirklich angenehme Überraschung! Die Hammond ist so genial so konstruiert, des selbst ich sie auseinander nehmen kann. Das befürchtete Chaos ist also ausgeblieben. Das sieht alles andere als tricky aus, sondern ganz leicht und handhabbar für mich. Die Hammond ist wirklich klug durchdacht konstruiert. Das bedeutet, alles ist einfach und nachvollziehbar. Keine versteckten Haken und Ösen, wie so oft bei manch anderer Schreibmaschine.
Die Typenhebel kann ich, nachdem die schwarze, hölzerne Halterung, sowie die Halter der Umschalthebel für die Großschreibung und für die Zeichen abgeschraubt sind, einfach heraus ziehen. Und siehe da, auch wieder ohne körperliche Verrenkungen einfach so hinein schieben dass sie funktionieren. Ja, so macht das Spaß. In weniger als 30 Sekunden sind alle Typenhebel entfernt und liegen zum polieren bereit.

Unter der Hammond.

Unter der Hammond taucht die dritte eingestanzte Seriennummer auf. Oben sieht man sie, zwischen den Umschaltasten. Eine befindet sich unter der rechten Farbbandspule und die dritte links am Rahmen.

Ersatzeile sind eingetroffen

Wieder einmal hat der I.F.H.B., oder besser gesagt ein Kollege, die passenden Ersatzteile für mich. Einen intaktes Typenrad für diese Hammond und für die andere Hammond einen Aufzugschlüssel, der ihr von Anfang an fehlte. Der ist nicht unbedingt notwendig, aber wenn es so etwas gibt, dann will ich es ihr nicht vorenthalten. Vor wenigen Tagen sind die Teile per Paketdienst bei mir eingetroffen und noch am selben Tag gereinigt und eingebaut worden.

Demontage mit Muster-Maschine

Rechts die Muster-Hammond zum abgucken.

Mit einem kompletten Muster an meiner, oder besser gesagt an Ihrer Seite, hatte ich den Mut gefasst die Hammond zu demontieren. Beide Hammond’s sind Baugleich. Nicht wegen der Reihenfolge der Typenhebel hatte ich Befürchtungen etwas Falsch zu machen, davon hätte ein Foto als Hilfe zum zusammenbau gereicht, bzw. die sind auch Nummeriert.
Nein, ich hatte keine Ahnung davon was passieren würde, wenn ich beginne die Typenhebel entfernen. Wie gesagt es ist meine erste Hammond die ich demontiere. Schon so manches mal bin ich bei anderen Maschinen damit überrascht worden was geschehen kann wenn man unbekannte Schrauben löst.

Aber …! Nichts einfacher als das! Keine meiner Befürchtungen ist eingetreten. Die Hammond ist schnell demontiert, und ebenso schnell wieder zusammen gebaut.

Und wie man sieht, meine Idee sie aufzuhübschen war von Erfolg gekrönt. Sie ist so schön sauber und glänzend geworden, dass ich, wenn ich hier fertig bin, mir ihre Kollegin vornehme.

Fertig soweit. Alle Tasten wieder an Bord und mit der schwarzen, halbrunden Holzleiste wieder fixiert. Alle funktionieren wie zu beginn, sehen nur um längen besser aus.

Jetzt wird der endgültige Zusammenbau in Angriff genommen. Das wird sicher ein Spaziergang werden. Die nächsten Tage, sobald ich mit dem putzen endgültig bin, wird es hier ein Foto der blitzblanken Hammond aus Familienbesitz geben.

Drei solcher Schrauben, sowie die hier noch nicht wieder montierten Umschalthebel abschrauben, und das schwarze, hölzerne, halbrunde Holz zum halten der Typenhebel ist entfernt. Danach kann man die Typenhebel spielend leicht heraus ziehen, und auch wieder einsetzen.

*** Fertig ***

Wie erwartet war der Zusammenbau ein Spaziergang. Diese Hammond 2 ist wirklich leicht zu renovieren. Eine wahre Freude. Jetzt fehlt ihr nur noch die Halbrunde Abdeckung, eine originale und zur Größe der anderen passende Farbbandspule sowie eine Schraube für die Farbbandspule. Sie hat das Typenschiffchen mit der Kursiven Schrift bekommen und schreibt tadellos. Jetzt muss nur noch ein frisches Farbband her.

Zwei Schwestern. Rechts: Die erste Hammond im gereinigten, aber noch im unpoliertem Zustand.

Im Oktober 2021 hat mich diese Hammond wieder verlassen. Es war mir einfach nicht möglich auf ihr einen angemessen schnellen Text zu schreiben. Die Tastatur ist einfach nicht dafür gemacht. Und weil schreiben für mach das wichtigste an und mit einer Schreibmaschine ist, habe ich mich entschlossen solche wie diese Hammond lieber wieder Menschen zukommen zu lassen die sie besser würdigen können. Sie ist technisch einmalig und ein wahrer Augenschmaus, aber sie ist einfach nicht gut beschreibbar. Schade.

© 2019 Schreibstube Krempe
Fotos & Text by Heiko Stolten

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