AEG/USG Mignon 3, 1914 (52)

Abgholt: 19. Februar 2020 in Glückstadt
Modell: 3 „Vasanta“
Herkunft: Deutschland, Erfurt
Seriennummer: 51690
Baujahr: 1914
Mechanik: Oberaufschlag mit Typenkopf
Renoviert von: Heiko Stolten im Februar/März 2020

Modell 3 • „Vasanta“

Die Mutter aller Indexschreibmaschinen. Eine Mignon, noch von der AEG – Union Schreibmaschinen GmbH (USG) hergestellte Schreibmaschine. Später wurde die Mignon nur noch unter dem Herstellernamen AEG verkauft. Das Modell 3 wurde 1913 eingeführt und wurde auch als Modell „Vasanta“ bezeichnet.
Vorkriegsmaschinen des Modell 3, so eines wie dieses aus dem Jahr 1914, sind schon etwas schwerer zu finden als die häufiger anzutreffenden Nachkriegsmodelle späterer Jahrgänge ab 1918 des selben Modells. Noch häufiger wird heute noch das Nachfolgende Modell 4, dass ab 1924 hergestellt wurde angeboten.

Wieder Einsatzbereit

Geschenkt

Ja, ich habe sie geschenkt bekommen, samt eines Metallkoffers. Von einem netten älteren Herrn aus Glückstadt, zusammen mit der Adler Standard (Nr. 45) im Februar 2020. Erst jetzt bin ich dazu gekommen sie endgültig fertig zu machen. Nicht weil ich keine dazu Lust hatte, sondern weil ich den Wagen komplett erneuern musste.


Kinder und die Mignon

Ich habe stets gesagt, eine Mignon wäre für mich ein nettes Restaurationsobjekt, mehr aber nicht! Zum schreiben wäre sie mir zu unpraktisch, zu langsam und zu unkomfortabel, und als eine Deko-Schreibmaschine will ich sie nicht in meinen Wohnräumen haben. Dabei bleibe ich.
Vor kurzem aber hat mir jemand gesagt, das eine Mignon bei Kindern sehr beliebt wäre. Für Kinder die das schreiben lernen, wäre eine Mignon eine Bereicherung weil sie mit ihr spielend lernen.
Eine Mischung aus: Alte Technik die sichtbar funktioniert, sich auf Tastendruck bewegt und Geräusche fabriziert und dem natürlichen Spieltrieb der Kinder entspricht.
Das kann ich mir Lebhaft vorstellen. Eine tolle Idee. Im Februar, also wenige Tage nachdem ich diese Mignon bekam, wurde unser erstes Enkelkind geboren. Ich werde diese Mignon also aufbewahren und unserem Enkelsohn in ein paar Jahren ans Herz legen.

1. Schreibtest im Originalzustand. Noch kein so schönes Schriftbild. Aber das wird noch.

So gesehen ist eine Mignon also wieder ein ziemlich cooles und modernes Schreib-Lern-Gerät. Und unter diesem Gesichtspunkt macht es sogar mir wieder Spaß mit dem eisernen Ouija-Brett erst nach Buchstaben und dann nach ganzen Worten und Sätzen zu suchen.
Okay, Briefe werde ich mit ihr sicher nicht schreiben, weil es mir zu aufwändig ist. Man muss sich das Leben ja nicht unnütz schwer machen. Aber ein Kind hat sicher seinen Spaß.

Ein schöner rustikaler Metallkoffer ist auch mit dabei. Sogar mit Schlüssel

Restauration mit Hindernissen

Geschenkt ist natürlich schön und gut. Da freut sich jeder Sammler. Ich auch! Dennoch waren die Walzen, und im Grunde der gesamte Schlitten, nicht mehr zu retten. Das war auf den ersten flüchtigen Blick gar nicht zu erkennen.
„Einem geschenktem Gaul schaut man nicht ins Maul“, so heißt es, also habe ich nur flüchtig hin gesehen. Einige Hebel waren an- oder abgebrochen, einige Federn zerbrochen und dazu viel Rost. Die Maschine selbst war lange nicht so angegammelt. Der Wagen war jedoch nicht mal eben so auf die Schnelle zu reparieren.
Glück im Unglück, ich habe noch eine geschlachtete 1916er Mignon mit gebrochenem Typenkopf in der Schublade liegen deren Wagen noch tadellos intakt ist.

Wieder schön geworden mit dem neuen Wagen

Probeweise aufgesetzt …. Passt, wackelt und hat Luft. Sieht nur echt blöd aus, denn der Wagen der Schlachtmaschine ist anstatt Chrom glänzend, Kohlrabenschwarz.

Warum?
Weil dieser Wagen von einer nicht verchromten Maschine stammt.

Man hat das damals in Kriegszeiten (1. WK), wohl aus Kostengründen gemacht, und die Metallteile nur schwarz lackiert, denn die Spendermaschine stammt aus dem WK1 Kriegsjahr 1916, während diese Mignon wohl noch kurz vor Kriegsausbruch im Jahr 1914 produziert wurde. So konnte Ich aus zwei Wagen einen passenden zusammen gesetzt. Also die schwarz lackierten Teile entfernen und die verchromten und vernickelten dazu gefügt. Nun sieht die Mignon optisch wieder aus als wäre nichts gewesen.

Fertig mit Koffer
Originalzustand (Seriennummer 51690)

Warten auf ein Schulkind

Die Mignon „Vasanta“, Modell 3 harrt nun also der Dinge die da in den nächsten Jahren auf sie zu kommen werden.
Sie wartet nun schon seit so vielen Jahrzehnten, da kommt es auf weitere 3, 4 oder 5 Jahre gar nicht an denke ich. Nicht nur unser Enkel, auch ich werde meinen Spaß mit der Mignon haben. Nebenbei bemerkt, ich habe sogar noch einen so gut wie unbenutzten und nicht abgenutzten Typenkopf mit Kursiver Schrift, den werde ich dieser Mignon noch aufsetzten.
Der Typenkopf hat allerdings eine etwas andere Tastaturblegung, weswegen ich mir ein neues, passendes Buchstabentableau am PC selbst erstellt habe.

Die Mignon ist jedenfalls Kindgerechter als eine damals extra für Kinder hergestellte Schreibmaschine. So eine wie die Blechschreibmaschine die unten zu sehen ist.
Für Kinder völlig ungeeignet, weil zum Beispiel das Farbband nur so lang ist wie die Maschine Breit ist und sich nicht bewegt. Das bedeutet der Typenkopf verbraucht das Farbband innerhalb kürzester Zeit. Völlig absurd so etwas als Kinderspielzeug zu verkaufen. Um das Farbband zu ersetzen braucht man viel Geduld, die Kinder sicher nicht haben. Die Blechschreibmaschine unten stammt in etwa aus dem Jahr 1970.

Blechschreibmaschine mit Typenkopf. Die Tasten sind nur aufgedruckt.

© 2020 Schreibstube Krempe
Fotos & Text by Heiko Stolten

Ein Gedanke zu “AEG/USG Mignon 3, 1914 (52)

  1. Hab mich auch gerade aufs Abenteuer „Mignon“ eingelassen, eine Typ3 von 1923 wurde es, sogar recht günstig über ebay, was dort ja inzwischen echt selten geworden ist…

    Die Maschine zerlegte sich allerdings etwas schneller von selbst, als es mir lieb war und insofern stehe ich nun vor dem Problem, wie ich die Stellung der Typenwalze zu der sie drehend bewegenden Stange wieder synchronisieren kann, sprich: in welcher Stellung muss die Typenwalze stehen, wenn die Stange eingeführt wird und die Walze dann selbstständig mitnimmt?

    Es ist eine Standard-Typenwalze verbaut, welche ich nun auch wieder so gedreht habe, dass die Nase in die vorgesehene Ausbuchtung passt (der Vorgänger hatte wohl „gepfuscht“ und einfach eine zweite Nase in die Typenwalze gedrückt, die er wohl so aufgesetzt hatte, dass es im zusammengebauten Zustand passte…)

    Zudem hat meine Mignon eine gebrochene Gabel, das Teil, das das Typenkopf-Getriebe hinten links und rechts an eben obiger Achse für die Drehbewegung fixiert und unten in der Maschine auch noch beweglich gelagert ist, um auch die Reihenauswahl auf der Typenwalze zu ermöglichen.

    Versuche nun, diese Gabel durch ein Provisorium aus Blech so zu verstärken, dass ein Betrieb wieder möglich ist, aber wenn mal eine Mignon wegen anderer Probleme bei Ihnen als Ersatzteilträger landet, wäre ich ein dankbarer zahlender Abnehmer!

    n.b.: Die Gabel ist wohl aufgrund eines Sturzschadens gebrochen, von dem auf ebay natürlich nix stand…

    Ansonsten: Weiter so! Tolle Seite und auch tolle Idee mit der Schreibstube!

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