Smith Premier 10, 1910 (34)

22. Oktober 2019
Seriennummer: 57090
Mechanik: Volltastaur mit vorderanschlag
Baujahr: 1910
Farbband: 13 mm auf nur hier passenden Spezialspulen
Renoviert von: Heiko Stolten im Oktober 2019

Etwas zur Geschichte der Smith Premier 10

Die Smith Premier, Modell 10, ist die erste und auch gleichzeitig die einzige Schreibmaschine mit Volltastatur und Vorderaufschlag. Sie kam 1909 auf den Markt. Mit ihr kann man endlich sehen was man geschrieben hat, denn die Vorgängermodelle waren noch allesamt Unteraufschlag Maschinen. Man sah nicht was man schrieb, weil der getippte Text auf der Unterseite der Schreibwalze zum abdruck kam. Man musste, wenn man sehen wollte was man geschrieben hatte, die Schreibwalze hoch klappen. Erst jetzt wurde der Text und auch die möglichen Tippfehler offenbar. Ziemlich unpraktisch!
Dennoch, die Tage der Volltastatur waren gezählt, denn Zehnfinger-Blind schreiben wurde immer mehr zum Standard. Die Hände ruhen, und nur die Finger bewegen sich. Das ist bei den insgesamt 84 Tasten, die sich verteilt auf 7 Reihen befinden, nicht möglich. Bei Geschwindigkeitswettbewerben schnitten die Smith Premier-Schreibkräfte im Vergleich zu ihren Kollegen auf einer damals Modernen Standardtastatur immer am schlechtesten ab. Das Modell 10 war somit das letzte produzierte seiner Art. 1921 stellte Smith Premier die Produktion ganz ein. Danach erscheint der Markenname „Smith Premier“ nur noch auf Standard-Monarch- und Remington-Maschinen.
Für jedes Zeichen ist im Typenkorb jeweils ein eigener Typenträger vorhanden, was die Mechanik sehr aufwendig macht. Um Platz zu sparen, sind die Typenhebel in zwei Ebenen angeordnet.

Ein Garagenfund

Ich finde die Smith Premier 10 sieht einfach unwiderstehlich aus, wenn sie denn renoviert ist…! Ja wenn …

Dreckig • staubig • matt • schäbig,
einfach nur erbärmlich, und alles andere als unwiderstehlich. So stand sie vor mir auf einer Obstkiste in einer Garage als ich sie in Schenefeld (Kreis Steinburg) abholte.

Tags zuvor hatte ich sie in einer Anzeige entdeckt und sie dann gleich am nächsten Tag und auf dem Nachhauseweg, nach Feierabend, abgeholt. Den symbolischen Preis war sie mir wert, und ich bewahrte sie so vor der Schrottpresse. Die Fotos zeigten eine Schreibmaschine die offensichtlich schon sehr viel bessere Zeiten gesehen hatte. Aber eben eine mit Volltastatur. Genau so eine Smith Premier wollte ich schon länger haben, oder besser gesagt, darauf schreiben, auf und mit einer Volltastatur. Also ließ ich mich dazu hinreißen die Ruine zu kaufen.

Boah… Volltastatur! 84 Tasten. Die weißen aber noch mit Tastenringen. Das geht gar nicht.

Live und in Farbe, also direkt beim Verkäufer, sah sie noch trauriger als auf den Fotos der Anzeige aus. Jahrzehntelanges Nichtstun hat ihr arg zugesetzt. Das letzte mal als scheinbar versucht wurde sie als Schreibmaschine zu nutzen kann man in etwa am verschlissenem und zerknittertem Farbband ablesen. Ein Kunststofffarbband auf dem die einst getippten Buchstaben noch wie ausgestanzt zu sehen sind. Also schätzungsweise in den 1970er oder 1980er Jahren.
Dennoch! Sie funktioniert. Zwar Teilweise etwas zäh, aber alles dreht und bewegt sich. Was habe ich mir nur wieder dabei gedacht mir so einen Schrotthaufen anzulachen?

Hinten ist’s auch nicht besser.

Leibhaftig habe ich so eine Schreibmaschine noch nie gesehen. Und so bemerkte ich erst Zuhause, dass der Zeilenschalthebel abgebrochen ist und die Tabulatoren defekt sind.
Tabulatoren?
„Naja, muss nicht unbedingt sein“
Zeilenschalthebel?
„Zur Not geht’s auch ohne“

Da sollte er
sein, der
Zeilenschalthebel.

Farbbandspulen mal ganz anders

Die Dicke war jedenfalls derart verdreckt, dass ich sie in der Werkstatt erst einmal links liegen ließ und mich erst einmal auf die Suche nach einer Anleitung machte. Wie es scheint ist der Farbbandmechanismus bei dieser Maschine etwas besonderes. Zwei direkt nebeneinander befindliche Farbbandspulen an der Rückseite. Nicht irgendwelche DIN Standardspulen, nein diese müssen exakt hinein passen sonst geht gar nichts. Gut das beide vorhanden sind.
Und die Farbbandführung?
„Von hinten durch die Brust ins Auge“
So wie es scheint braucht man, um hier ein neues Farbband einzufädeln, die filigranen Fingerchen einer japanischen Geisha mit Abitur.

Farbbandspulen. Hier noch im Urzustand.

Erst schreiben, dann wiederbeleben!

So mache ich es wenn die Entscheidung ansteht ob ich eine sogenannte Schrottmaschine wiederbeleben möchte oder nicht. Sie muss schreiben können. Oder zumindest signalisieren das sie, auch wenn ich etwas nachhelfe, dazu bereit und willens wäre. Aber damit sie den Beweis antreten kann braucht sie ein neues Farbband. Das habe ich vorrätig, also kein Problem. Doch wie bekomme ich die Spulen heraus?
Die stecken, beide nebeneinander, auf einer Achse und man muss dann nur noch den Nippel durch die Lasche ziehen. So in etwa klang die Erklärung eines Wissenden den ich fragen konnte!
Man muss die Achse mittels des Stifts, links von den Spulen heraus ziehen und kann somit die linke Spule entfernen. Einfach, wenn man weiß wie.
Mein Wissen wurde mir von einem lieben Sammlerkollegen aus dem I.F.H.B. gegeben. Ebenso wie man das Farbband einfädelt. Dennoch, ich denke dazu braucht man Spezialwerkzeug oder eben die schlanken Finger einer Geisha. Mit beidem bin ich nicht gesegnet. Somit habe ich mir ganz schön einen abgebrochen um das Farbband, so wie in der Anleitung beschrieben, einzufädeln.
Die Anleitung hatte ich im Internet gefunden. Das hört sich jetzt ganz easy an, war aber ein Prozess von wenigstens 3 Versuchen, einer langen Pinzette und etwa 20 Minuten Fummelei. Beim nächsten mal geht’s wohl schneller. So nett es auch ist so einen ungewöhnlichen Farbbandmechanismus zu haben, dass Einfädeln ist eine Qual.

Wer schreibt bleibt!

Sie schreibt, also werde ich mich daran machen sie wiederbeleben. Ich musste zwar etwas nachhelfen, aber ja, sie schreibt.
Wie gesagt, eine Schönheit ist sie nicht mehr, aber sie funktioniert. Sie muss aber jetzt noch etwas warten, denn zur Zeit bearbeite ich gerade die Zweite von zwei Adler 7 die derzeit komplett zerlegt ist. Zwischenzeitlich versuche ich einen Ersatz für den Zeilenschalthebel zu bekommen. Nach einigem hin und her meldet sich ein weiterer Kollege aus dem I.F.H.B. und bietet mir einen solchen Hebel an. Klasse dieses Netzwerk!

Erster Schreibtest im Urzustand. Ihre Visitenkarte zur Wiederbelebung

84 Tasten sollen leben

Die Adler 7 ist fertig. Nun steht, nachdem klar wurde dass der Zeilenschalthebel zu mir unterwegs ist, die Smith Premier auf dem Werkstatttisch. Zwei Wochen sind seit dem vergangen, und nun schraube ich die ersten Teile ab.

Zustand:
Ein unglaublicher Dreck präsentiert sich mir. Abstoßungen und Roststellen, mattes Metall, dumpfer Lack und ein undefinierbarer Film aus einem harzigem Überzug in fast allen Furchen und Sicken. Dazu Spinnweben und tote Insekten in den verschlungenen Hebeln und Stangen unter der Maschine. Die Farbbandgabel ist unwillig sich zu bewegen, weil sie genau in so einer verharzten Furche geführt wird und ihre Gelenke damit ebenfalls überzogen sind. Das wird ein Spaß von dem ich nicht absehen kann ob er sich lohnen wird. Ich befürchte da kommt nicht so viel an Schönheit zu Tage wie ich es sonst gewohnt. Die Beschriftung ist auch so gut wie abgenutzt, befindet sich aber auf Metallteilen die geschraubt, und somit austauschbar sind. Mal sehen was die Zukunft mir in die Hände spielt. Das ist erst einmal Nebensächlich. Zunächst widme ich mich der Reinigung und der Mechanik, so dass sie wieder tadellos schreiben kann.

Auferstehung und Handchreme

Zuerst muss ich sagen, ich hatte mir noch bei keiner meiner Schreibmaschinen so hartnäckig verdreckte Hände wie bei dieser Smith Premier eingehandelt. Meine Hände sahen aus als hätte ich in einer Autowerkstatt gearbeitet. Meine Frau, ich kann es ihr nicht verdenken, hatte beinahe schon Angst um den Bestand unsere Handcreme, die ich in diesen Tagen mehrmals täglich benutzen musste. Ich musste mich derart heftig waschen, dass meine Hände anschließend völlig vertrocknet waren. Viele meiner Putzlappen waren nach dieser Schreibmaschine reif für den Müll. Die waren allerdings nicht vertrocknet, sondern voller Patina, Dreck und Putzmittel. Aber ich hatte auch noch nie eine Schreibmaschine auf dem OP-Tisch die praktisch schon tot war.

Zeilenschalthebel und andere Dramen

Der zwischenzeitlich per Post eingetroffene Zeilenschalthebel stellte mich vor ein weiteres Problem. Nämlich das ich nicht sofort heraus fand wie ich selbigen demontiert, bzw. montiert bekomme. Also den Schalthebel selbst. Zunächst versuchte ich den gesamten Mechanismus auszutauschen, was nur mittelmäßig gut funktionierte, denn der neue Mechanismus war etwas anders geformt als der alte. Der Unterschied mag darin liegen, das meine Maschine ein Modell 10 ist und der Zeilenschalthebel von einem Modell 10a stammt. Zudem noch eines mit Breitwagen. Jedenfalls passte er scheinbar, saß aber geringfügig schief auf dem Wagen. Das wiederum führte dazu, dass der Schlitten auf seinem Kugellager nur noch zögerlich und nicht mehr, wie zuvor, frei lief. Das geht so nicht!

Erst jetzt, nach eingehendem Studium des Objekts entdeckte beim Zeilenschalthebel die kleine versteckte Schraube im Inneren seines Drehmechanismus, die sich nur bei einer ganz bestimmten Stellung zeigt und sonst im Inneren Bereich verborgen bleibt. So einfach hätte es sein können.
Schraube lösen, Zeilenschalthebel heraus nehmen, den neuen einsetzen und wieder verschrauben. Das wäre in 10 Minuten erledigt gewesen! Ich habe dafür fast den ganzen Schlitten auseinander genommen und mehr als drei Stunden verplempert. Nun ja, beim nächsten mal bin ich schlauer.

Putzen, polieren und so weiter. So sieht dann mein Werkstatttisch aus. Der Schlitten ist demontiert und der neue Zeilenschalthebel bereits wieder montiert. Die Tastenringe auf den weißen Tasten sind auch schon entfernt.
Sieht doch viel besser aus.

Ein weiteres Drama, an dem ich allerdings selbst Schuld war ist, dass ich ganz zu Beginn meiner Arbeit die Gummifüsse entfernt hatte. Ich wollte nicht dass diese durch das viele schieben, wenden und drehen der Maschine Schaden nehmen. Gut gedacht!
Ich war nahe dran aufzugeben und die Maschine verschrotten zu lassen (gleich Nebenan ist ein Recyclinghof) , weil sich nach all der Arbeit nichts mehr bewegte was vorher tadellos lief. Der Schlitten hatte seinen Dienst komplett quittiert. Kein Leerschritt war mehr möglich. Weder per Leertaste noch mit einer Buchstabentaste. Tasten anschlagen ja, aber keine einzige Bewegung schob den Schlittens vor. Irgendetwas schien ich wohl, ohne zu wissen wann und wie, kaputt gemacht zu haben. Nur was?
Nach geraumer Zeit bemerkte ich: Wenn ich die Maschine auf die Seite legte, funktionierte alles normal, der Wagen läuft wie er soll. Das ich die Füsse ganz zum Anfang entfernt hatte war mir längst als mögliche Ursache entfallen. Ich suchte also weiter nach einem Fehler warum die Maschine funktioniere wenn ich sie auf die Seite legte und warum sie, wenn sie aufrecht stand, keinen Mucks mehr von sich gab. Erst später, nach einem zufälligen Blick in jene Plastikdose in die ich die abmontierten Teile lege, kam mir die Erleuchtung. Die Gummifüsse glotzten mich vorwitzig aus der Plastikdose an und schienen im Chor zu skandieren:

„Steck uns ein Du Depp“ – Ohah, wie dusselig!

Sie steht ohne Gummifüsse vor mir! Ich hatte sie, ohne darüber nachzudenken, tiefer gelegt. Ohne Gummifüsse steht die Maschine so niedrig das der Auslösemechanismus für den Wagenvorschub auf meinem Tisch hängen bleibt und ihn auf Halber Strecke am auslösen hinderte. „Okay, reden wir nicht mehr darüber und Schwamm drüber“!

Die Unterseite im Urzustand. Hier noch mit dreien der vier Gummifüsse

Ein drittes Drama ist der Tabulator. Irgendwie, ich weiß noch nicht wie und warum, purzelte mir da ein Bauteil heraus, und ich weiß bis jetzt noch nicht wo das hin gehören könnte, weil ich bislang daran noch nicht tätig war. Das war also wohl schon vorher lose. Das wird jetzt aber erstmal auf die lange Bank geschoben.

Der Rest war pure Fleißarbeit. Abbürsten, Putzen, polieren, schrubben und entrosten. Wie schon gesagt war das eine unglaubliche Sauarbeit. Und jetzt, nachdem sie fertig ist, sie vor mir steht, kann niemand außer ich selbst erahnen was es für ein Job war sie wieder so hin zu bekommen. Und das Ergebnis ist wahrlich ernüchternd. So sehen andere aus wenn sie unbearbeitet sind und ich mit ihnen beginne. Nun gut, ich habe sie noch nicht intensiv gepflegt sondern mich vorerst nur um die Mechanik gekümmert und darum dass sie schreiben kann. Und ja, sie schreibt wieder.

Die sehr gewöhnungsbedürftige Farbbandführung. Unten läuft das Farbband unter den Wagen hindurch auf die Rückseite wo sich die Spulen befinden. Und wie man sieht: Die linke Seite habe ich falsch eingefädelt.

Geheime Tasten die mir spanisch vorkommen

Sie schreibt wieder. Das ist schon mal eine erste sehr gute Nachricht. Und genau da, also beim Schreibtest, wartete sie gleich mit zwei Überraschung auf.

Überraschung 1
Die Type für die Taste „&“ ist wohl einst ausgewechselt worden. Oder umgekehrt! Drückt man die „&“-Taste befindet sich auf dem Papier ein durchgestrichenes „c“. Ich weiß nicht was dieses Zeichen bedeutet, geschweige denn wofür oder in welcher Sprache es eingesetzt wird.

Überraschung 2
Mit der Taste „;“ druckt sich ein spanisches Zeichen, ein „ñ“, also das kleine spanische „n“ mit Tilde darüber ab.
Wahrscheinlich wurden die Typen nachträglich eingesetzt oder die Tasten einst vertauscht. Es ist also möglich das die Maschine einst aus Spanien oder Südamerika stammt. Wer weiß wer einst was mit der Smith Premier wann und vor allem wo getippt hat?

Ganz schön wuchtig das alte Mädchen.

Hier steht sie nun. Wieder komplett zusammen gebaut, inklusiver eines neuen Zeilenschalthebels und vom gröbsten Dreck befreit. Nachdem sie Heute bewiesen hat was sie kann, bekommt sie in den nächsten Tagen ihr „Finish“. Noch sieht sie ja etwas „naja“ aus, aber das wird noch besser werden. Nach und nach werde ich die beschrifteten Metallteile austauschen und zusehen dass sie einen Satz neue weiße Tasten bekommt.

Jetzt noch etwas aufpolieren, ein paar neue, weiße Tasten, neue Decals, und alles ist wieder TipTop.
Die Schreibwalze lässt sich mit nur einem Handgriff entfernen. Eine geniale Lösung dafür auch mal unter dem Schlitten sauber machen zu können.

Fluch und Segen

Über die verzwickte Farbbandführung habe ich ja schon berichtet und meinen Unmut darüber ausgedrückt wie fummelig es ist ein Farbband einzufädeln. Was aber ein richtig genialer Konstruktionsknüller ist, ist die Schreibwalze. Die lässt sich nämlich mit nur einem Handgriff komplett von Schlitten lösen und ebenso schnell wieder drauf setzen. Perfekt zum sauber machen. Der Bewegliche Schlitten ist mit nur zwei Schrauben befestigt und ist auf Wunsch im Nu abmontiert. Ein Aufzugband, dass eines Tage reißt oder das vorsichtig gehandhabt werden möchte wenn der Schlitten demontieren werden soll gibt es hier auch nicht. Die Spannung erzeugt ein großes Zahnrad in dem sich die Zugfeder befindet. Einfach super gemacht.

Fertig! Jetzt kommt das finish, die gründliche Politur und Entrostung.

Das Schreiben ist gewöhnungsbedürftig

Ja sogar sehr gewöhnungsbedürftig. Zunächst erscheint es ganz leicht, doch die linke oder rechte Hand möchte bei einem Großbuchstaben gerne die linke oder rechte Taste auf der Tastatur anschlagen. Nämlich jene Taste die für die Umschaltung zuständig ist. Das ist ja sogar noch an der Computertastatur so. Ja, und so gibt es Anfangs etwas Buchstabensalat auf dem Papier. „Kauderwelsch“, wie wir in Norddeutschland sagen, oder „Kuddelmuddel“. Jedoch nach einigem Üben geht es ganz flüssig. Alles in allem finde ich ist das eine tolle Schreibmaschine die ihren „Symbolischen“ Preis wert ist. Ich denke die werde ich behalten.

Die ist ganz einfach…

Irgendwo hatte ich gelesen das die Smith Premier 10 leicht zu restaurieren wäre, Ich hab’s geglaubt. Aber nur bis jetzt. Ich finde das die doppelte Menge an Typenhebeln und die Art und Weise wie sie unterwärts verbaut sind ziemlich bemerkenswert kompliziert sind. Also ich nehme das nicht auseinander, soviel kann ich schon sagen. Dagegen ist eine Adler 7 ein einfaches Spielzeug.

Also, da mache ich nur sauber. Da baue ich gar nichts auseinander.
Jeder Typenhebel hat nur einen Buchstaben oder ein Zeichen. 84 Stück in zwei Reihen.
Erstes Schreiben nach der Reingung und der Wiederbelebung

29.11.2019
Sie schreibt wieder! Die Schreibwalze ist zwar intakt, aber verhärtet. Die Typen schlagen nicht geschmeidig auf und drucken nicht sauber ab. Die Unterlängen der Buchstaben g, p, und j sind unsauber abgebildet. Logisch, nach 109 Jahren, aber mit einem alten Bogen Walzenschoner und drei Lagen Papier wird die Schreibwalze wieder geschmeidiger und das Schriftbild kommt wider zum Vorschein und sieht wieder ganz annehmbar aus. Und nach einer kleinen Eingewöhnung ist es ganz einfach mit der Volltastatur und ohne Umschaltung zu schreiben. Nicht wirklich komfortabel und schnell, sondern eher umständlich, aber es funktioniert.

Diese Schreibmaschine ist so ungewöhnlich in ihrem Design, dass ich sie trotz ihrer Mängel beim flüssigen Schreiben, vorerst behalten werde. Sie ist ein zeitgeschichtliches Monument, wie ich finde. Man kann durch sie einen Eindruck gewinnen wie es in der Kaiserzeit, noch vor dem 1. Weltkrieg, um 1910 herum in deutschen Büros ausgesehen haben mag. Und eines ist beachtenswert. Diese Schreibmaschine hat zwei Weltkriege unbeschadet überstanden.

Ersatzteile aus einer Schlachtmaschine

Ende Dezember 2019 habe ich eine zweite Smith Premier 10 gekauft, die im Januar 2020 ankam. Eine zum ausschlachten. Diese hatte schöne Metallteile mit gut erkannbaren Schriftzügen. Des weiteren eine gut erhaltene Leertaste, eine Rücktaste und eine Tabtaste. Auch einen Original Drehknauf für die Farbbandspulen und noch einiges an Kleinteilen mehr. Das alles hat diese SP 10 erhalten und sieht nun wieder ganz passabel aus. Demnächst wird sie auch noch ein paar neue Tasten bekommen. Der Rest der Schlachtmaschine sind dann Ersatzteile. Man weiß ja nie!

© 2019 Schreibstube Krempe
Fotos & Text by Heiko Stolten

2 Gedanken zu “Smith Premier 10, 1910 (34)

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