Monpti, ca. 1969 (68)

Abgeholt: 14. Mai 2021 in Wrist, Kreis Steinburg
Modell:
Herkunft: Consul, Zbrojovka Brno a.s.
Vyskov bei Brno (Brünn) / Tschechoslovakei
Seriennummer: 011652
Baujahr: ca. 1968
Mechanik: Vorderaufschlag
Farbband: 13 mm, Din 2103 Spulen
Sonderzubehör: Schuber
Renoviert von: Das war nicht nötig, exzellenter Zustand

Ich habe sie …

Ziemlich genau um 15 Uhr tauchte das simple Wort „Schreibmaschine“ in den Kleinanzeigen auf meinem Bildschirm auf. An und für sich ist das ja nichts besonderes mag man denken, dass steht da zig mal geschrieben. Das stimmt, also kein Grund zur Aufregung. Wahrscheinlich eine stinknormale Olympia, Gabriele oder Adler. Dazu, und das unübersehbar, garniert mit ein paar Fotos einer Knallroten Schreibmaschine die mich sofort aufmerken ließen und elektrisieren.
Rot ist ja nun einmal mein Lieblingsfarbe. Und eine Valentine ist nun einmal meistens Rot, eine Monpti ebenfalls, und genau deshalb habe ich mich darauf eingestellt. Ich hatte mich dazu erzogen Anzeigenfotos von roten Schreibmaschinen besonders zu beachten, weil ich eben noch eine Monpti suchte. Dieses Foto hier zeigt zweifelsfrei eine rote Monpti – Wahnsinn! Die angegebene Preisforderung machte mich nun endgültig fassungslos. Und der Ort des Angebots erst recht!
Nun war ich total geflasht …!
„Wrist“, der kleine Ort liegt keine 20 Kilometer von mir entfernt in nordöstlicher Richtung. Ich könnte im Fall des Falles innerhalb von 20 Minuten vor Ort sein und das Prachtstück abholen. Wie gesagt, es ist 15 Uhr. Ich schreibe der Inserentin sofort, denn eine Telefonnummer war nicht angegeben. Der Besucherzähler der Anzeige steht erst auf 14, was ich absolut nicht verstehen kann, denn es ist hier auch angegeben das ein Versand möglich wäre.

Bange Minuten in denen nichts passierte. Keine Antwort. 16 Uhr, der Besucherzähler steigt bereits auf 25 und ich habe immer noch keine Antwort. Auch um 17 Uhr immer noch nichts und der Besucherzähler steht auf 40 Klicks. Ich mache erstmal unser Essen klar und bekomme natürlich nicht so richtig etwas hin, weil ich auf dieses erlösende „DingDong“ von meinem Tablet warte das neben mir auf der Arbeitsfläche in der Küche steht. Den Ton spielt es dann ab wenn eine Nachricht rein kommt.
Zwischendurch, während ich am Herd stehe und koche, kommt auch das eine oder andere „DingDong“, aber nicht das erhoffte. Ich hänge also wie zwischen Baum und Borke halb am Herd und halb am Tablet. Keine gute Kombi! Dennoch, das Essen gelingt und meine Liebste fiebert, als sie nach hause kommt auch sogleich mit mir mit.

Wir schaffen es gerade noch unser Menü zu verzehren als es wieder einmal „DingDong“ macht.
Die Inserentin hatte 20 Euro für die Monpti als Preis ausgerufen und ich habe ihr, ohne zu handeln, geschrieben das ich die Maschine abholen würde und auch heute noch kommen würde.
Es war mein heiß ersehntes „DingDong“.

„Hallo, abholen wäre toll, ich habe jetzt schon Gebote über 35 Euro, allerdings mit Versand“. Super, ich gehe sofort darauf ein auch 35 Euro zu zahlen, und ein erneutes „DingDong„, nur 5 Minuten später, vermeldet mir das „Okay„.
Ich bekomme Name und Anschrift, schwinge mich ins Auto und düse los. Um 20:15 Uhr nehme ich die Monpti in Empfang. Sie gehörte eine alten Dame die jetzt in einem Seniorenheim wohnt. Der Besucherzähler ging noch, was ich so gesehen hatte, bis auf 50 hoch. Die Inserentin war total verwundert das sie so viel Resonanz auf diese, wie sie sagt, billige Plastikmaschine hatte. Sie sagte mir sie hätten gefühlt minütlich Anfragen bekommen. Wundert mich gar nicht! Nun ist sie meine Monpti.

Etwas zur Monpti
(Französisch von Mon Petit, meine Kleiner)

Gebaut wurde sie von 1967 bis 1971 in der Tschechoslovakei von der Firma Consul. Designer des Gehäuses war Stefan Lengyel, was an der Kofferinnenseite ersichtlich ist. Also kein westliches, sondern ein Produkt aus dem damaligem Ostblock. Verkauft wurde die Monpti unter anderem im Warenhaus Karstadt. Was die Monpti heute so besonders macht ist nicht etwa ihre „brillante“ Mechanik, nein, es ist ihr Aussehen, es ist ihr Design.
Die Mechanik ist einfach und zierlich. Also als Schreibmaschine mit einem anderen Design würde ich die Monpti nicht eines Blickes würdigen. Ich denke ich würde sie sogar verschenken. Was aber, wie ich finde absolut Einmalig ist eben genau dieses, ihr umwerfendes Design das ein statement der Jungen Generation um 1970 ist. Ein statement das dem establishment entgegen wirkte. Die Monpti wirkte jung, frech, frisch, peppig, poppig und stand für vieles mehr, aber keinesfalls für eine graue Büromaschine in verqualmten Büros – Hippie-Style eben. Wer seine Texte im Büro schrieb und sie nicht in freier Natur im Schneidersitz tippte, der gehörte schon zum establishment. So in etwa titelten die Werbesolgans für die Olivetti Valentine.

Manche mögen sich auch durch die Monpti an die Olivetti Valentine erinnert sehen. Die Ähnlichkeit ist, und das sehe ich auch so, frappierend und doch ganz anders. Der lifestyle aber ist gleich. Und, die Monpti ist schon ein Jahr vor der Valentine erschienen. Man könnte also meinen Ettore Sottsass hatte sich für seine Designarbeit an der Olivetti Valentine von Stefan Lengyel inspirieren lassen. Oder beide Designer kannten sich. Wer weiß ?

Ein großer Erfolg war der Monpti währent ihrer kurzen Produktionszeit jedoch nicht beschieden. Auch die produzierten Stückzahlen blieben in einem relativ überschaubarem Rahmen. Was bedeutet, es gab nicht so sehr viele Exemplare, und heute, nach 50 Jahren gibt es noch viel weniger von ihnen. Zu filigran war ihre schlicht konstruierte Mechanik und das Material des Plastikgehäuses. Aber obwohl die Monpti technisch betrachtet keine Hochwertige Schreibmaschine ist mauserte sie sich dennoch zu einem Klassiker der bei Design Fans hoch im Kurs steht. Sie ist, wie die Valentine, heute auch ein Design Klassiker, weniger aber eine robuste Schreibmaschine. Das Gesamtkonzept ist es was die Monpti heute so besonders macht.

Restauration? Fehlanzeige!

Vier Schrauben! Ich brauche sage und schreibe nur vier Schrauben am Boden lösen und kann die Monpti so in drei Teile zerlegen. Man könnte sagen sie entblößt auf recht unkomplizierte Weise ihren Intimbereich. Gut um sauber zu machen, aber irgendwie bekomme ich keinen Respekt vor ihrer Haltbarkeit. Andererseits, das hält ja nun schon seit 50 Jahren, was also will ich mehr?

Vier Schrauben lösen und man kann die gesamte Mechnik heraus heben.

Meine Monpti ist noch im absolut unangetasteten Originalzustand. Alle Schrauben haben noch ihre unberührten roten Markierungen die anzeigen das ihr, seit sie das Werk verlassen hat, noch nie eine Schraube heraus gedreht wurde. Auch sieht es so aus als hätte die Monpti in ihrem Leben nicht viel geschrieben und wurde stets an einem für Schreibmaschinen sichern Ort aufbewahrt. Kein Rost, kein Staub, kein Dreck und keine Abnutzungen. Ich würde sie als Neuwertig bezeichnen.

Alle Schrauben sind unberührt.

Ich habe also nichts weiter zu tun als das Gehäuse und den Koffer mit warmen Seifenwasser abzuspülen. Ansonsten lege ich ihr nur ein neues Farbband ein und belasse sie weiterhin als unangetastete Jungfrau.

Drei Jahre habe ich nach einer bezahlbaren Monpti gesucht. Viel länger als nach einer für mich bezahlbaren Valentine. Was für mich den Schluss zulässt das eine Monpti wohl noch seltener anzutreffen ist als eine Valentine die ja noch einigermaßen häufig, allerding oft zu Phantasiepreisen angeboten wird. Die Monpti wird in der Schreibstube Krempe neben der ebenfalls roten Olivetti Valentine Platz nehmen dürfen. Aber schreiben? Na mal sehen. Ich glaube das werde ich nur so zum Spaß mal machen. Als Schreibmaschine für viel Text ist sie nicht komfortabel genug. Aber mal sehen, vielleicht gewöhne ich mich noch an ihre Einfachheit.

Seriennummer suchen

Die Seriennummer soll wohl nicht gefunden werden. Warum auch immer. Die Nummer befindet sich an einem Ort an dem ich nie gesucht hätte. Ein Kollege aus dem I.F.H.B. konnte das Geheimnis lüften. Nachdem ich die Monpti mehr oder weniger auf den Kopf gestellt hatte kam ich zu dem Schluss das es möglicherweise keine Seriennnummer gäbe. Ich meinte überall gesucht zu haben. Das es keine gibt ist aber falsch, denn andere Sammler hatten ihre Seriennummer bereits veröffentlicht. Wo also ist diese vermaledeite Nummer verborgen? Ganz einfach! Unter der rechten Farbbandspule ist sie am Rahmen gaaanz zart eingestanzt. Ich musste mehrere Beleuchtungsversuche starten um die Nummer zu entziffern. So was blödes hatte ich bisher noch nie gesehen. Aber egal, jetzt habe ich sie, und Ihr könnt sie nun auch finden. Spätestens aber nach dem nächsten Farbbandwechsel und mit einer 200 Prozentigen Sehkraft…

Sie schreibt

In er tat schreibe ich mittlerweile mit ihr und ich finde das Ihr Schriftbild gar nicht einmal so schlecht ist. Ihre Handhabung ist gewöhnungsbedürftig, aber mit etwas Übung und Fingerspitzengefühl schreibt sie recht ordentlich.

Ich war Anfangs nur enttäuscht weil eine Monpti so hoch gehandelt wird, es so selten eine gibt, ich so lange nach einer suchen musste und als ich sie dann endlich eine fand und in meinen Händen hielt, sie es mechanisch betrachtet nicht verdient so hoch geachtet zu sein. Ich hatte zu hohe Maßstäbe angesetzt. Das liegt aber wohl auch zu einem großen Teil daran, dass Sammler seltene und/oder teure Maschinen bevorzugen. Als Sammelobjekt, mit ihnen aber nicht wirklich, so wie ich, schreiben möchten.

© 2019 – 2021 Schreibstube Krempe
Fotos & Text by Heiko Stolten

2 Gedanken zu “Monpti, ca. 1969 (68)

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