Triumph 10, Baujahr 1928 (38)

1. Foto. Sie sieht auf den ersten Blick recht sauber aus.

Gekauft: 22.12.2019
Modell: Triumph 10
Seriennummer: 65753
Baujahr: 1928
Farbband: 13 mm, Din 2103 Spulen
Renoviert von: Heiko Stolten im Dezember 2019

Hamburg Bahrenfeld! Hier habe ich sie zwei Tage vor Heiligabend abgeholt. Was ich mit einer Triumph 10 will? Ach, das weiß ich eigentlich auch nicht so genau. Sie ist einfach zu restaurieren, sie schreibt toll, und sie gefällt mir optisch. Und da ich meine andere, 1931er Triumph 10 verkauft habe, und diese hier nur zwei Wochen später für eine Hand voll kleiner Euromünzen zu haben war, sie scheinbar kein anderer haben wollte, habe ich einfach mal zugegriffen. Ich habe sogar ein neues Farbband dazu bekommen. Nett!

Zustand
Das Zugband ist gerissen (macht nichts)
Staubig, sie stand bei der Vorbesitzerin als Deko herum
Sie funktioniert in allen Teilen
Wenig Rost
Alles in allem in einem sehr schönem Zustand und schreibfähig

Ich bräuchten im Grunde nur ein neues Zugband für den Wagen einzuhängen, ein Farbband einzulegen, und schon könnte ich mit ihr schreiben. Sie ist weder rostig noch sonst irgendwie und irgendwo schwergängig. Nur auf den zweiten Blick, und erst Zuhause erkenne ich, sie ist mit einer unglaublich dicken Schicht Patina überzogen. So wie es aussieht handelt es sich um Nikotin. Mist!!

Schreibmaschinen niemals im Urzustand ins Wohnzimmer tragen.

Aber nein, ich lasse mich nicht von Fräulein Triumph verleiten. Ich mag es nicht Tasten benutzen zu müssen auf denen sich der Schweiß und Dreck all jener Personen befindet die auf ihr getippt haben, und der sich über die Jahrzehnte in den Rillen abgelagert und festgekrallt hat. Das muss, bevor ich sie benutze, blitzsauber sein.

Nun ja, und wenn ich schon dabei bin…. Man kennt das ja, dann wird sie sowieso so weit wie möglich zerlegt, denn in ihren Innereien befindet sich ja bekanntlich der wahre Dreck den ich um keinen Preis in unserem Zuhause oder in der Schreibstube haben möchte.

Eine Regel die ich mir auferlegt habe ist, dass ich eine Schreibmaschine die ich kaufe oder bekomme niemals ins Wohnzimmer bringe, sondern immer erst in die Werkstatt trage. Und hier kommt sie erst dann wieder heraus wenn sie von allem Dreck befreit ist. So auch die Triumph die zwar recht ordentlich aussieht – Äußerlich jedenfalls, aber Innerlich ein typisches Eisenschwein ist. Werfen wir einmal einen Blick nach Innen.

Auch ein Schmuddelkind

Habe ich ganz oben etwas von einem „sehr schönem Zustand“ geschrieben? Der erste Zustandsbericht in der Werkstatt sieht etwas anders aus. Ich muss das also relativieren, denn der schöne Zustand befindet sich mehr unter den gefühlt fingerdicken Nikotinablagerungen als darüber. Na gut, so ganau hatte ich mir sie auch nicht angesehen als ich sie kaufte. Irgendwie gefiel mir ihr Mattschwarz, aber nach einigen kreisenden Bewegungen mit dem Lackreiniger auf einem Lappen taucht leicht glänzendes Schwarz auf. Was auch sonst? Das sie nicht Mattschwarz sein kann war mir ja klar, ich dachte nur es wäre Staub der den Lack so Matt erscheinen ließ.
Okay, das wird wieder eine längere Putz-Polier-Aktion. Zuerst aber alles demontieren was abzumontieren geht. Und hier ist die Triumph 10 wirklich außerordentlich Freigiebig. Typen und Wagen sind sozusagen per Knopfdruck entnommen. Das Papierblech und die Front ebenso.

Die Typen wandern über Nacht in meinen zweckentfremdeten Waschmittelbehälter der jetzt mit Petroleum gefüllt ist und so sein zweites Leben in der Werkstatt lebt anstatt im Plastikmüll zu enden. Die anderen Teile werden nach und nach poliert und gereinigt.

Auch der Tastenkamm ist mit nur zwei Schrauben gelöst und bereit zur Politur. Der Innenraum ist jetzt soweit zugänglich das er mit Bürste und Petroleum gereinigt werden kann. Und jetzt wird der Dreck erst richtig sichtbar.

Spätestens jetzt wird es klar. Die olle Triumph ist genau so ein Ferkelchen wie alle anderen Schreibmaschinen die lange unbenutzt herum standen. Die Substanz jedoch ist sehr gut und der Lack ohne viel abplatzungen. Das wird wohl wieder, unter Anstrengung allerdings, ein glanzvolles Weib werden.

Das zweite Leben der Triumph

Putzen, putzen, putzen und anschließend polieren. Die Nikotinschicht ist nicht nur Außen sondern auch bis in das tiefste Innere der Maschine vorgedrungen. Richtig ekelig! Ich war selbst einmal Raucher und bin immer dafür eingetreten kein militanter Nichtraucher zu sein. Aber bei so einer Maschine muss ich mich beherrschen meinem Vorsatz treu zu bleiben. Den Lack musste ich Außen herum drei mal mit Lackreiniger (Die harte Nummer: „Für verwitterte Lacke“ habe ich genommen) bearbeiten. Und jedes mal war der weiße Putzlappen giftig-gelbbraun und ein Fall für den Mülleimer, und nicht für die Waschmaschine.

Nach jeder Politur per Hand, und das logischerweise auch drei mal, kam jedes mal der Dremel mit Polieraufsatz zum Einsatz. Nach der dritten politur habe ich den Lack mit Hartwachs konserviert und nachdem er eingetrocknet war noch einmal mit dem Polieraufsatz bearbeiten. Erst jetzt kam der alte Glanz wieder zum Vorschein. Insgesamt habe ich an die 5 Polierscheiben für den Lack und 4 Stahlaufsätze, sogenannte Topfreiniger, für die Metallpolitur des matten Metalls verbraucht. Der günstige Preis der Triumph wird so natürlich in die Höhe getrieben. Aber es hat sich, wie man gleich sehen wird gelohnt.

Das Innenleben war im Grunde ganz normal verdreckt. Staub und Aschereste gaben sich ein Stelldichein, konnten der robusten Triumph 10 allerdings nicht den Garaus machen. Die schnell ausgebauten Typenhebel waren durch die Nacht im Petroleum schön eingeweicht und ließen sich auch ziemlich schnell wieder auf Hochglanz bringen und innerhalb weniger Minuten wieder einsetzten. Toll diese Mechanik.

Fertig • Triumphal

Jetzt noch schnell ein neues Zugband einsetzen und schon kann sie wieder schreiben. Und hier ist sie nun, die wieder auferstandene Triumph 10, bald 100 Jahre alt, und sie schreibt wieder super.

Das Original Zugband ist nicht zu retten, es zerreißt sobald ich es etwas spanne. Es ist völlig porös geworden. Ich ersetzte es durch eine 0,5 mm starke Nylonschnur aus dem Angelbedarf, die haben sich für mich als unglaublich haltbar erwiesen und lassen sich einfach einziehen.

In meinem sich langsam aufbauenden Fundus an Ersatzteilen finden sich sogar zwei schöne Farbbandspulen mit hübschen Speichen, die wie ich finde, gut zu der Triumph passen. Ich glaube die habe ich einmal einer Mignon mit einem ähnlichem Baujahr wie die Triumph entnommen. Das Farbband ist zwar nicht der Hit obwohl es unbenutzt und original verpackt ist, denn es hat wohl mindestens 30 Jahre, eher mehr auf dem Buckel und stammt noch aus DDR Produktion.

Erster Schreibtest nach der Wiederindienststellung.

Das neue Fotostudio

Der glänzende Lack einer Schreibmaschine ist gar nicht so einfach zu fotografieren, obwohl ich seit einigen Tagen zwei professionelle Fotolampen mit Weichzeichner benutze um Lichtreflexe zu mildern und nicht mehr nur das Blitzgerät als alleine Lichtquelle einsetze. Entweder sieht der Lack aus als hätte er Lackstellen oder er hat Spiegelungen die ebenso aussehen. Oder es sieht aus als würde man Putzspuren sehen, die aber im Original nicht vorhanden sind. Schwarzer Glanzlack ist echt eine Herausforderung. Die Triumph ist die erste die ich in meinem kleinem Fotostudio fotografiere. Da muss ich wohl noch ein wenig üben.

30.12.2019
Das also war die Schreibmaschinensaison 2019. Die Triumph 10 wird die letzte Schreibmaschine des Jahres 2019 sein. Es wartet noch die Odoma, die fast fertig ist, die ich mit Metallkleber geklebt hatte, die aber erst 2020 das erste mal wieder schreiben wird weil ich sie noch zusammenbauen muss.

© 2019 Schreibstube Krempe
Fotos & Text by Heiko Stolten

3 Gedanken zu “Triumph 10, Baujahr 1928 (38)

  1. Hallo. Tolle Seite. Ich habe auch eine Triumph 10. Ich möchte hier auch die Typen ausbauen. Hast du eine Anleitung für mich? Besten Dank. Gruß aus Wiesloch. Oliver

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