L. C. Smith & Bros. Modell 5, Baujahr 1913 (43)

Abgeholt: 13. Januar 2020
Modell: 5
Herkunft: U.S.A.
Seriennummer: 210518-5
Baujahr: 1913
Mechanik: Vorderaufschlag
Farbband: 13 mm auf speziellen Spulen
Renoviert von: Heiko Stolten im Januar 2020
Besonderheit: Kleine Schriftart Perl
Typenhebel und Wagen sind mit Kugellager gelagert

Die L. C. Smith, hier im Originalzustand, schreibt sofort nach dem abholen los.

Ein Fall für den Schrotthändler?

Im Originalzustand. Nur etwas verstaubt.

Schneetreiben, Sturm und ein Resthof in der Pampa

Die L. C. Smith stammt laut Händlerschild und Frontprägung aus Hamburg, der Verkäufer jedoch wohnt in Wilster. Das ist in meiner Nähe, in den Elbmarschen, etwa 20 Autominuten von Krempe entfernt. Freundlicherweise hat er die Maschine aus Hamburg, wo er die Wohnung seine Schwiegervaters räumen muss, mitgebracht. Jedoch nur unter der Bedingung das ich sie am Donnerstag Abend gegen 20 Uhr auch abhole. Gesagt getan!

Was jedoch wirklich unangenehm war, dass war das Wetter. Sturmflutwarnung, heftiges Schneegestöber, gepaart mit Starkregen, Sturm und eine wirklich stockfinstere Nacht ohne irgendeine Beleuchtung. Ich muss einen alten Resthof mit der Hausnummer 10 finden, und das über kleine, sehr schmale und verschlungene Landwirtschaftliche Wege die komplett unbeleuchtet und unübersichtlich sind. Irgendwann jedoch vermeldet mein Navi plötzlich: „Sie haben Ihr Ziel erreicht„.

Ja toll, hier ist nur nichts was auch nur annähernd nach bewohntem Gebiet aussieht. Keine Menschenseele und nirgends ist ein beleuchtetes Haus zu erspähen.
Ich erinnere mich. Der Verkäufer sagte ich solle über eine kleine Holzbrücke, über die Wilster Au fahren, dann wäre ich auch schon am Ziel. Starkregen, Schneetreiben und keine Beleuchtung. Wie soll ich denn so eine private Brücke finden, ich sehe ja grad mal etwas über meine Motorhaube hinaus? Nach einigem hin und her gefahre finde ich tatsächlich, da wo mein Navi das Ziel lokalisierte, eine kleine Holzbrücke die aber durch Gestrüpp kaum einzusehen ist. Darunter plätschert im Normalfall gemächlich die Wilster Au, die aber jetzt durch den Starkregen, den Sturm, die Sturmflut der Elbe und über Nordsee zu einem bedrohlichen hoch stehenden, reißendem Strom geworden ist der beiderseits fast schon die Deichkronen erreicht hat. Da soll ich mit dem Auto rüber?? Na dann mal los.

Hier ist’s genau richtig. Nur ein paar kurze Worte gewechselt, schnell die Maschine einsacken, bezahlen und dann aber nichts wie weg und ab nach hause. Ich hatte sie mir nicht einmal angesehen, sondern bin bei dem schiet Wetter gleich wieder abgedampft.

Schon im Auto, also auf dem Rückweg bemerke ich, die Maschine beginnt mit mir Kontakt aufzunehmen. Oder ich mit Ihr? Ich habe das deutliche Gefühl das wird eine besondere Maschine für mich. Nicht weil sie besonders Wertvoll wäre, sondern weil sie mir schon jetzt, ich habe sie im dunklen (Schwarze Machine in schwarzer Nacht) noch nicht einmal sehen können, gut gefällt. Warum? Keine Ahnung. Aber Maschinen die mit mir schnacken sind immer etwas besonderes.

Etwas zur L. C. Smith Bros

So wie einige frühe Schreibmaschinen, so ist auch diese „L. C. Smith & Bros.“ nahezu unverwüstlich. Massiv und robust gebaut bringt sie wohl 10 Kilo auf die Wage. Ich habe gelesen dass eine Maschine dieses Typs bis 1961 ständig in Gebrauch war. Anschließend nahm ein pensionierter Mitarbeiter die Maschine mit und nutze sie danach noch viele Jahre. Sie war also so ungefähr 60 Jahre oder länger im Einsatz. Eine stolze Leistung.

Bei meiner Maschine ist im vorderen Rahmen die Gravur des Erstbesitzers, einer Hamburger Öl-Firma zu sehen. Sie stammt zwar aus den U.S.A., aber sie ist durch und durch eine Hanseatin. Einst in Hamburg gekauft, dann in Hamburg genutzt und in Hamburg wurde sie auch wieder zum Verkauf angeboten.

Gravur
vorne

Laut meinen Recherchen ist die „PURE-OIL-COMPANY GmbH, Hamburg im Jahr 1914 gegründet worden. Also passt das Baujahr der Schreibmaschine zum Gründungsjahr der Firma, wo sie möglicherweise vom ersten Tag der Gründung im Einsatz war. Das ist vielleicht auch ein Grund, warum sie so ungewöhnlich gut erhalten ist.
Die Typenhebel sind kugelgelagert, was sich beim schreiben als sehr fein abgestimmt bemerkbar macht und ein angenehm weiches Tastengefühl erzeugt. Es federt sehr schön. Sie schreibt wirklich bemerkenswert leicht für ihr Alter. Die Satzzeichen wie Punkt, Komma und Strich sind zudem extra abgefedert. Das verhindert das Durchschlagen der kleinen Zeichen durch das Schreibpapier. Sehr Innovativ!

Auch die Konstruktion ist sehr gut durchdacht. Die Schreibwalze ist mit nur zwei Verschlüssen gesichert und kann so schnell zu abgenommen werde. Die Tabulatoren sind ebenfalls ungewöhnlich. Man muss per Hand zwei Reiter setzten (Da waren sicher einmal mehr Reiter) und kann dann über die Tabulatortaste, die wie eine zweite Leertaste aussieht und über der Tastatur tront, diese eingestelltenPositionen ansteuern.

Die zwei Tabulator-Reiter.

Und das die L. C. Smith & Bros in der selben US-Stadt gebaut wurde wie die Smith Premier Schreibmaschine kommt nicht von ungefähr. Die Brüder Smith waren bis 1903 an der Smith Premier Typewriter Co. in Syracuse beteiligt. Nach Differenzen in der Firma, weil es abgelehnt wurde zu den bereits produzierten Unterschlagmaschinen eine Maschine mit Vorderaufschlag aufzunehmen schieden die Brüder aus und gründeten, ebenfalls in Syracuse, die L. C. Smith & Brothers Typewriter Company die diese Maschine ab 1904 auf den Markt brachte.

Zustandsbericht

Die Maschine ist ungewöhnlich gut erhalten. Kaum Lackabplatzer, kein Rost, nur etwas Nikotinpatina. Verstaubt zwar, aber nicht verdreckt. Diese ist die erste Schreibmaschine in einem Alter von über 100 Jahren in der ich weder tote Insekten gefunden habe, noch Spinnennetze oder sonstige typischen Verschmutzungen durch altes Öl das sich mit Dreck vermischt hat. Eine tolle Leistung, wenn man bedenkt dass sie bereits zwei Weltkriege hinter sich hat.
Diese Maschine hat offenbar nie in einem Keller gestanden, noch auf einem Dachboden oder in einer Garage ihr Dasein fristen müssen. Scheinbar wurde die Maschine immer in trockenen Räumen gelagert. Und der Zustand des Farbbands gibt darüber Auskunft das der letzte geschriebene Text nicht so wahnsinnig lange her sein kann, denn mit dem eingelegten Farbband, das wohl alt aussieht, schreibt sie sofort tiefschwarz wie am ersten Tag.

Und was für mich das schönste Geschenk neben der guten Erhaltung ist, sie schreibt mit einer verkleinerten Schrift, einer Raumsparschrift, wohl Perl.
Alles richtig gemacht, und es war eine gute Entscheidung dieses Prachtstück bei grimmigem Wind und Wetter abzuholen.

Nur putzen und polieren

Mehr ist nicht nötig, wie ich feststelle. Die zwei Seitenblenden sowie die Vordere Verblendung sind nur geschraubt und schnell entfernt. Jetzt habe ich einen guten Zugang von allen Seiten zum Inneren der Maschine. Sehr praktisch.

Guter Blick nach Innen.

Ich merke schon, ich mag sie wirklich. Und sie scheinbar auch mich, denn sie ist wirklich einfach zu reinigen.
Morgens hatte ich begonnen sie zu reinigen, und gegen 18 Uhr war ich damit fertig. Zwischendurch habe ich noch andere Dinge wie einkaufen Hausarbeit etc. erledigt, habe Fotos gemacht und diesen Blog geschrieben. Also war ich summa summarum so etwa 4 Stunden mit der L. C. beschäftigt bis sie wieder so weit hergerichtet war das ich sagen konnte:
„Sie schreibt wieder“.

Tolles Teil. Wenn ich bedenke dass sie zum Altmetallhändler sollte. Grauenhafte Vorstellung.

Nur diese Farbbandspulen passen.

Ich habe nur die drei Seitenteile und die Schreibwalze entfernt. Mehr habe ich bei dieser Maschine nicht demontieren müssen. Die langwierigste Aktion war es die Tastatur zu reinigen. Hier klebte noch reichlich von dem was vorige Tipper und Tipperinnen an den Fingern hatten und hier unfreiwillig zurück ließen. Schweiß, Handcreme und andere Sachen die über die Jahrzehnte dunkle, schwer zu entfernende Ringe und Schatten auf der schönen weißen Tastatur mit Glastasten hinterließen. Doch nun sieht es fast wieder wie neu aus. Sehr schön!
Die L. C. Smith Bros ist wieder voll einsatzbereit.

Fertig

Das mache ich sonst Grundsätzlich nicht! Nämlich das eingelegte Farbband weiter benutzen. Auch dann nicht wenn es noch funktioniert. Hier habe ich mich das erste mal anderes entschieden. Die Maschine kam so gepflegt daher und hatte absolut keine unangenehmen Gerüche von Kellermuff an sich, was wirklich selten ist, dass ich das alte Farbband ausnahmsweise nicht entsorgt sondern wiederwieder eingelegt hatte.

Die L. C. Smith & Bros. von hinten betrachtet.

Da kann man doch nun wirklich nicht meckern. Eine 1913 gebaute, also 107 Jahre alte Schreibmaschine für 10 Euro. Eine die auch noch auf Anhieb funktioniert und eine mit der Schriftart „Perl“. Ich finde das Grandios. Der Weg gestern durch Wind und Wetter hat sich allemal gelohnt, Und ich muss sagen, irgendwie erinnert die L. C. mich an die Remington 7. Besonders von hinten betrachtet.

Die Remington 7. Eine gewisse Ähnlichkeit ist nicht von der Hand zu weisen.

Die L. C. Smith werde ich behalten, denke ich. Die gefällt mir richtig gut, und sie ist technisch ihrer Zeit weit voraus gewesen. Zumindest was den Schreibkomfort angeht. Sehr geschmeidig und gut gefedert. Es mach Spaß mit ihr zu schreiben.

Tastatur wieder sauber und schön

Einzig die Schreibwalze ist verhärtet. Aber welche ist das nicht? Das führt dazu, dass die Buchstaben nicht mehr richtig gut auf dem Papier abgebildet werden. Abhilfe schafft mein alter Walzenschoner, oder wenn ich mehrere Bogen Papier hintereinander einlege. Aber das mache ich ja sowieso bei jeder Maschine.

© 2020 Schreibstube Krempe
Fotos & Text by Heiko Stolten

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