Restaurations-Gedanken

Was ich unter „Restauration“ verstehe.

„Damit es bei mir zur Restauration oder einer Renovierung einer Schreibmaschine kommt, muss die Maschine wenigstens eine der folgenden Grundvoraussetzungen erfüllen“. 

1.) „Sie sollte tadellos schreiben können“
2.) „Das Design! Sie muss mir gefallen“.
3.) „Sie hat eine besondere Schriftart“. 

Design, so wie ich es mag, hat für mich klar Priorität vor Marktwert oder  einer Sammelwürdigkeit. Ob ein Maschinentyp unter Sammlern als teuer, selten und/oder begehrenswert erachtet wird ist für mich zweitrangig.
Ich würde keine Maschine für mich restaurieren wollen nur weil sie in Sammlerkreisen hoch gehandelt ist.
Es gibt sehr teure und begehrte Maschinen, z. B. eine Sholes & Glidden. Die finde ich optisch überhaupt nicht ansprechend. Bekäme ich eine solche würde ich sie herrichten und verkaufen. Bekäme ich eine Erika aus den ’70ern mit Schreibschrift, gäbe ich sie nicht wieder her. Vor kurzem bekam ich eine Plastik DDR Erika mit Frakturschrift. Die Krone der Schöpfung, die bleibt bei mir.

Funktionalität geht vor
Baujahr und Prestige

Anfangs habe ich versucht nach gewissen Kriterien zu sammeln. Zum Beispiel nur Maschinen mit Dreireihiger Tastatur bis maximal 1930. Ebenso wenn eine Maschine in Sammlerkreisen begehrt war erschien sie auch für mich als Sammelwürdig.
Mittlerweile habe ich für mich festgestellt, dass zum Beispiel eine Continental Standard mit Perl Schrift (die will kein Sammler haben) erheblich mehr Sexappeal verströmt als Beispielsweise eine seltene, Rote Mignon 2 oder eine wichtige Remington aus den Anfangsjahren. Die Mignon in Rot ist zugegebenermaßen sehr selten und teuer, doch schreiben auf ihr ist eine Farce, und das macht sie für mich uninteressant. Die Continental Standard war ein Massenprodukt das heute noch überall zu bekommen ist, manchmal sogar verschenkt wird. Sie ist so ausgefeilt konstruiert, dass es eine Freude ist sie zu renovieren und mit ihr zu schreiben.

Funktionalität geht vor Schönheit

Für eine Restauration ist es mir zuallererst einmal wichtig die Funktionalität wieder herzustellen. Meine Maschinen werden zwar auch, soweit es geht, auseinander genommen, gereinigt, entstaubt, geputzt und poliert, aber nicht zwingend auf „Neu“ oder „Showroom-condition“ getrimmt.
Altersbedingte Abnutzungen empfinde ich als den „ganz besonderen Charme“ einer Maschine. Wenn der Lack, die Logos und Beschriftungen nicht mehr so schön sind belasse ich so wie ich sie vorgefunden habe. Ebenso wenn Metall einfach nicht mehr glänzen will oder nicht mehr kann, dann belasse ich es so weit wie möglich im Originalzustand.

Aber …, auch mir gefällt glänzender Lack und blinkender Chrom! Dennoch sagt mir eine Schreibmaschine, wenn sie „nur“ gereinigt, also vom Dreck der Jahrzehnte befreit wurde, eher zu als eine an der jede noch so kleine Schraube akribisch auf Hochglanz gebracht wurde und Gebrauchsspuren beseitigt wurden.
Wenn ich dann mal eine bekomme die super gepflegt daher kommt,  freut mich das auch.

Ich mag es, wenn eine Maschine mit ihren Gebrauchsspuren aus ihrem  Leben erzählen kann. Glanz ja, aber keine Schönheitsreparaturen! Ich verabreiche kein „Schreibmaschinen-Botox“ oder „Facelifting“. Für mich lebt eine Maschine die aus ihrem Leben erzählen kann und die immer noch, oder schon wieder, perfekt schreiben kann.