Juwel, Modell 3a, Bj. 1938 (25)

Ein Juwel das nicht ganz so häufig
zu finden ist.

Renoviert von: Heiko Stolten im März 2019

25.3.2019
Das Juwel trifft per Paketdienst aus dem Raum Bremen, daher wo sie laut Aufkleber an ihrer Front ursprünglich auch her stammt, bei mir ein. Nach dem auspacken präsentiert sie sich als völlig verstaubt, mit ermattetem Lack, etwas abgenutzt aber fast voll und ganz funktionstüchtig. Einzig die Rückstelltaste unterwandert die Hundertprozentige Einsatzfähigkeit und besinnt sich noch nicht freiwillig darauf ihrem natürlichen Ursprung zu entsprechen. Sie lässt sich zwar betätigen, ist aber ohne Funktion. Dem muss auf den Grund gegangen werden. Hier ist wohl nur etwas ausgehängt.

Mein erster Eindruck!
Hier hat sich später Olympia ein paar kleine Anleihen oder Inspirationen im Bezug auf das Design geholt. Ich sehe hier etwas das einer späteren Olympia SM 1 nicht ganz unähnlich ist. Die Maschine ist nach dem ausblasen mit Druckluft sofort bereit zum schreiben. Alles bewegt sich frei und ohne große Anstrengung. Ich denke nach einer gründlichen Reinigung und Politur wird das eine sehr schöne und beschreibbare Schreibmaschine die sehr gut in die Schreibstube Krempe passt.

„Warum ich sie gekauft habe“?
„Ich weiß es nicht genau“!
„Der Schriftzug gefiel mir in erster Linie“.


Also ein pures Bauchgefühl dem ich da gefolgt bin als ich sie das erste mal sah.

Das „Juwel“ in voller Größe und breits mit Druckluft entstaubt.

Was ich bisher über sie
herausgefunden habe

Bei diesem Model handelt es sich um das Modell 3a, welches eine Verbesserung von Mod. 2b ist und mit einem Klappdeckel und Glastasten ausgerüstet ist. Alle anderen Modelle, davor und danach, bis auf das Modell 2a wurden scheinbar mit Kunststofftasten ausgeliefert. Das Modell 3 wurde von 1938-1943 gebaut. Das Modell 4 gab es ab 1949.

Unter dem Namen“Juwel“ wurden Schreibmaschinen von 1936 bis 1955 gebaut. Juwel selbst war in den 1930er Jahren, neben all den anderen großen und mittleren Namen für Schreibmaschinen, ein eher kleiner Hersteller. Es wurden nur wenige Tausend Stück pro Jahr gefertigt. Und wenn ich mir meine Juwel so betrachte, dann war sie wohl eher als eine günstige Schreibmaschine für den kleineren Geldbeutel gedacht. Zumindest sieht sie recht einfach aus und kommt ohne Zusatzeinrichtungen, wie zum Beispiel Tabulatoren, oder ähnlichem daher. Die Juwel ist eine schlichte aber praktische, portable Schreibmaschine.

Von Modell 1 an bis hin zum Modell 4 trugen sie nur die Bezeichnung „Modell“ als Zusatznamen. Ab 1952 trugen sie Namen wie Rapid, Quick, Filius, Blitz, Flott und Fix. Und 1955 wurde die Produktion schon wieder eingestellt

Die „Juwel“ ging ursprünglich zurück auf die „Dankers“, die J.A. Dankers 1935 in Hamburg heraus brachte. Vertrieben wurde der größte Teil der Maschinen unter der Bezeichnung „Juwel“ von der „Juwel Schreibmaschinen Vertriebs-GmbH“ in Köln, die bald darauf als „Juwel Schreibmaschinengesellschaft mbH“ auch die Produktion der Maschine übernahm.

Schreibmaschinen Krise nach dem Krieg

Werbung von 1950 für die Juwel Modell 3.
Schon für DM, also noch nach Juni 1948, wurde das Modell 3 angeboten.

Eine merkwürdige Werbeanzeige aus dem Jahr 1950. Es wird hier die Juwel Modell 3 beworben welches aber nur bis 1943 gebaut wurde. 1949 kam das Modell 4 auf den Markt. Mit dieser Annonce wurde offenbar noch im Jahr 1950 das Vormodell angeboten, obwohl das Nachfolgemodell bereits seit ca. einem Jahr auf dem Markt war. Das können eigentlich nur übrig gebliebene Restposten aus Kriegszeiten gewesen sein die hier angeboten wurde. Möglich war das, weil es bis ca. 1950 eine sogenannte Schreibmaschinenkrise gab. Viele der Schreibmaschinenfabriken sind im Krieg zerstört worden oder befanden sich nach dem Krieg unerreichbar auf dem Gebiet der Ostzone, später DDR.
Der hohe Bedarf an neuen Schreibmaschinen konnte bis ca. 1950 nicht aus deutscher Produktion allein gedeckt werden. Somit wurden Schreibmaschinen aus übrig gebliebenen Lagerbeständen, also mit Material aus Vorkriegszeiten, gefertigt.
Auch nach der Währungsreform waren die westdeutschen Betriebe trotz gebesserter Rohstoffzufuhren zunächst nicht in der Lage, die ständig steigende Nachfrage nach ihren Produkten zu befriedigen.

Das Juwel schreibt wieder

Einfach aber funktionell. Das ist die Juwel, Modell 3. Hier in der Version mit den schöneren Glastasten, die später gegen Kunststofftasten ausgetauscht wurden.
Ihre Einfachheit spiegelte sich auch in ihrer Instandsetzung wieder – Sehr Einfach!

Ich habe sie nur gereinigt, poliert und aufgehübscht. Nach etwa 3 Stunden reinigen schreibt das über 80 Jahre alte Mädchen wieder. Sie ist nicht die schönste, zugegeben, technisch ist sie auch kein Meilenstein, das ist klar. Aber sie ist verhältnismäßig selten zu finden, und es gibt wenig über sie zu erfahren, und das macht sie für mich irgendwie sexy.

Die Achttausend-siebenhundert-
und fünfte Juwel.

Das Juwel wird jedenfalls in die Schreibstube Krempe integriert und findet hier ein neues Zuhause fernab feuchter Keller oder Dachböden und Jahrzehntelangem Stillstand oder einem tristen Dasein als Dekoration, so wie es ihr bis vor kurzem noch beschieden war.

Von Vorne und von Hinten. Ja, sie ist keine Augenweide! Zumindest nicht auf dem ersten Blick. Ihr schöner und markanter Schriftzug täuscht dies aber gekonnt vor.
Aber mit der Zeit, und nachdem ich sie jetzt beschrieben habe, finde ich sie immer interessanter. Ich mag das Juwel.

© 2019 Schreibstube Krempe
Fotos & Text by Heiko Stolten

2 Gedanken zu “Juwel, Modell 3a, Bj. 1938 (25)

  1. Hallo. Sehr interessanter Bericht. Ich habe kürzlich auch eine erworben. Leider mit den Kunststofftasten aber in einem sehr guten Zustand. Welches Farbband haben Sie eingelegt. Wo kann man das Farbband kaufen?

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