Princess Standard, Bj. 1965 (8)

Die „10 Pfennig“ Prinzessin

Princess Standard 1965 1 foto

Princess Standard, 1965, 1. Foto

 

Also, dass ich mal eine so jugendliche Maschine kaufe hätte ich nicht gedacht.
Die ist kaum mehr als 50 Jahre jung, jünger sogar als ich selbst. Prinzipiell gefallen mir die 50er, 60er, sowie 70er Jahre Schreibmaschinen nicht. Wahrscheinlich weil ich selbst meine Jugend in den 1970er verlebt habe. Diese aber, die Princess, finde ich vom Design her richtig gut gelungen. Mir persönlich ist es piepegal, ob eine Maschine unter Sammlern Wertvoll ist oder nicht. Mir ist es in erster Linie wichtig, dass sie mir gefällt, und das ich damit bequem schreiben kann. Priorität hat für mich: Design und dass man mit der Maschine bequem schreiben kann. Ein tolles Design hat auch die AEG Mignon. Nur schreiben ist ein Qual auf ihr, daher habe ich meine verkauft. Es muss für mich beides stimmen.

Eigentlich hätte ich gerne eine zweifarbige Princess gehabt. Aber nach dem Fiasko mit der Adler Favorit, musste ich mir mal wieder etwas einfacheres gönnen. Und – Eigentlich habe ich sie für meine Liebste Prinzessin, meine Frau gekauft, in der stillen Hoffnung sie würde sie toll finden, die Princess. Und tatsächlich, als ich sie schon fast fertig hatte, und die erste Seite geschrieben war, kam meine Süße nach hause und war ganz angetan von der Princess Standard, obwohl sie meine Liebe zur Schreibmaschine bisher nicht teilen konnte. Jetzt ja – cool, jetzt werden wir gemeinsam schreiben. Ich auf der Klein Adler 1 und meine Frau auf der Princess. Wir planen ein Schreib-Projekt, und darüber werde ich, wenn es soweit ist, auch hier schreiben.

Doch zunächst zur Princess Standard, die 10 Pfennig Prinzessin.

Princess Standard 1965 10 Pfennig gefunden

Princess Standard mit Glücks-Groschen inklusive

 

Zuhause angekommen, ich hatte sie selbst in Hamburg abgeholt, wo ich sie für 9 Euro erstanden hatte, kullerte mir, nachdem ich die Maschine vom Kofferboden gelöst hatte, eine alte 10 Pfennig Münze entgegen. Wow, dachte ich: „Das kann nur Glück verheißen“. „Den Groschen werde ich irgendwo an der Maschine befestigen“, beschloss ich und machte mich daran die ansonsten tadellos funktionierende Princess zu entblößen.

Prinzessin aus der Keller-Gosse

Auf den ersten Blick sah die Prinzessin ganz passabel aus. Etwas schmuddelig zwar, aber soweit ganz ansehnlich, Die Rillen der weißen Rädchen für den Papiertransport waren vergilbt und mit Dreck zugesetzt, und die Tastatur war ebenfalls vom Fingerschweiß des Vorbesitzers verkrustet. Naja, und es sah so aus, das diese Prinzessing viele Jahre in einem Nikotingeschwängertem Büro lebte.
„Mein Vater hatte auf der Maschine seine Rechnungen geschrieben“, sagte mir die Verkäuferin. Also eine Büromaschine der 60er und 70er Jahre, als rauchen am Arbeitsplatz noch völlig normal war.
„Aber gut“, dachte ich, für 9 Euro kann ich ja nichts falsch machen und nahm die Princess Standard mit. Es sind sogar noch die Papiere vorhanden. Ein Garantieschein und ein Flyer mit der Beschreibung der Princess, also eine Bedienungsanleitung.

Princess Standard 1965 dreckiges Innenleben

Dreck aus einem langen Büroleben

 

Das Innenleben entpuppte sich zwar als ziemlich dreckig, war aber Gott sei dank schnell zu beseitigen. In erster Linie war es uralte Zigarettenasche die sich da mit Staub und sonstigem Zeugs zu kleinen Bröseln in fast allen Teilen und Fugen abgesetzt hatte. Mit Pinsel und Lappen war das eine Arbeit von ca. 2 Stunden, dann war die Prinzessin enttarnt und zeigte wieder ihr schönstes Lächeln.
Nur ihr „Ping“ war verstummt, oder besser gesagt es ertönte nur manchmal. Nachdem ich ihr dann auch noch ihre metallene Verkleidung abmontierte war es klar. Eine winzig kleine Feder war abgesprungen. die ich einfach nur wieder einzuhängen brauchte. Und da war es wieder – Das Ping zum Zeilenende.

Princess Standard 1965 Logo aufgearbeitet und vorher

Princess Logo: Links ist es aufgearbeitete, und recht im Urzustand

 

Die Princess erwacht

Princess Standard geöffnet im Urzustand 2

Vergilbte und schmuddelige Zähne

 

Jetzt ging es daran die vergilbten Tasten und Walzenknäufe wieder auf Elfenbein Weiß zu trimmen und das metallene Kleidchen, also die Verkleidung, aufzupolieren. Ich habe gute Erfahrung mit Autowachs gemacht. Zuerst aber alles in warmen Wasser mit einem ordentlichen Schuss Spülmittel tauchen und mit einem weichen Schwamm und Bürste die Nikotinablagerungen abwaschen. Danach tränke ich die Metallteile der Verkleidung mit Autowachs (keine Politur) und lasse sie trocknen. Während dessen  bearbeite ich die Beweglichen Teile der Maschine mit einer Zahnbürste die ich zuvor mit Waschbenzin getränkt habe.
Gut, das ich Heute alleine Zuhause bin, denn sonst würde es wieder gemurre geben, dass ich so intensive Gerüche fabriziere. Mittlerweile habe ich sogar einen Autowachs entdeckt, und auch gleich gekauft, der kaum einen Eigengeruch hat. Nachdem das Wachs auf den Metallteile getrocknet ist gehe ich gespannt daran sie zu polieren. Und siehe da, es kommt mehr Glanz als ich erwartet hatte zum Vorschein. Das sieht ja so gut wie neu aus, freue ich mich.
Die olle Bürotusse wird wirklich wieder zu einer Princess. So hatte ich mir das vorgestellt Nachdem ich nun auch die Kleinteile wie Walzenknäufe und die Reiter für den Zeilenbeginn und Zeilenende wieder auf neu trimmen konnte ist die Tastatur dran. Zunächst mal eine Taste vorsichtig mit Spiritus probeweise bearbeiten. Klappt super! In Null, Komma, Nichts erscheint die Ursprüngliche Schönheit in Elfenbein Weiß wieder unter den Ablagerungen.

 

Prinzessin trifft Princess

Princess Standard 1965 Fertig 3

Fertig!

 

17 Uhr! Ich habe sie wieder wach geküsst, die Prinzessin. Selbst ihr Koffer erstrahlt wieder wie am ersten Tag. Meine heimliche Idee, meine Frau auch mit dem Schreibmaschinen-Virus zu infizieren steht nun im vollem Glanz vor mir. Mal sehen ob’s klappt.
17:15 Uhr. Sie kommt nach hause, kommt in die Küche und sieht mich in meiner typischen Haltung am Küchentisch sitzen. Vor einer Schreibmaschine!

„Ach, hast du schooon wieder eine NEUE!“ Meistens werden meine Restaurations-Objekte mit wenig Begeisterung bedacht. Kann ich ja auch verstehen. Doch was heute kommt ist das anders. Meine Prinzessin sieht die Princess und sagt scherzhaft.
„Uii, die ist aber schön, ist die für mich?“
„Klar“ sage ich, da steht doch sogar dein Titel drauf“, und ich deute auf das Logo.
„Eine Princess für meine Prinzessin“
Und es geschieht etwas das ich für ein kleines Wunder halte. Meine Prinzessin setzts sich zu der Princess, legt ihre Finger auf die Tastatur und beginnt zu tippen. Imaginär, weil noch kein Papier eingezogen ist. „Ja, mit der kann ich schreiben, die passt gut“ Ich muß dazu sagen, dass meine Frau Zehnfinger blind schreiben kann, und eine 100jährige Adlerdame, ob nun großes Modell 7 oder die kleine Klein Adler sind überhaupt nicht für ihr Zehnfingersystem gemacht, sagt sie. Glaube ich auch. Die Tastaturen der alten Adlerdamen sind schon recht gewöhnungsbedürftig.

Princess Standard 1965 Fertig 2

Wieder eine Princess

 

 

Nun wollen wir beide gemeinsam Schreibmaschine schreiben – Unter anderem auch im Garten, im Wald oder sonst wo. Das geht mit einem Laptop nicht, und mit einem Tablet ebenso wenig. Bildschirm und Tageslicht passen einfach nicht zusammen. Wir planen ein gemeinsames Schreibprojekt, und dazu ist es wichtig sich die Schreibmaschine auf die Knie stellen zu können ohne das einem die Beine vom Gewicht der Maschine einschlafen. Sprich, die Maschinen müssen leicht sein. Ich habe meine Klein Adler 1 und meine Prinzessin hat jetzt ihre Princess Standard. Wer weiß, vielleicht richte ich ihr noch eine Zweifarbige her, sobald ich eine bekomme. Türkis/Weiß wäre schön.

Aber zuerst wird der Groschen gut sichtbar an der Princess als Glücksbringer befestigt.

Kursänderung:


Die Maschine habe ich an einen jungen Mann von 8 Jahren verschenkt. Seine Mutter suchte per Inserat eine Schreibmaschine für ihren Sohn. Und mir war klar, dafür wäre die Princess ideal. Ich brachte sie ihm vorbei! Ich war total gerührt davon wie der Junge Mann sich sofort nach öffnen des Koffers in die Maschine verliebte und begann unaufhörlich Gedichte und Geschichten zu schreiben. Seine Mutter schicke am selben Tag noch ein Foto. Aufgenommen spät Abends – Der Junge Mann im Schlafanzug, ein Stapel Papier neben sich und auf der Princess tippend. Wir sind nun Schreibmaschinen-Brief-Freunde geworden. Das ist heutzutage schon mit einiger Logistik verbunden einen Brief per Post zu schicken. Postämter, sprich Briefmarken gibt es ja nicht mehr an jeder Straßenecke. Und wenn man mal überlegt: Man braucht Papier, ein Couvert und das Porto. Das ich noch mal zum  zahlenden Briefschreibe-Postverschicker-Dinosaurier mutiere hätte ich nicht für möglich gehalten. Aber es macht Spaß. Ein außerordentlich schöner Lohn für meine Arbeit an der Princess. Die habe ich wirklich gerne verschenkt!
Und meine Frau? Die findet die Klapp-Erika 4 jetzt viel schöner

© 2018 Schreibstube Krempe
Fotos & Text by Heiko Stolten

2 Gedanken zu “Princess Standard, Bj. 1965 (8)

  1. Ja, die Princess ist schon etwas Besonderes. Ich habe zwei, drei davon. Eine muss ich meinem Sohn abgeben, eine hat die Schreibschrift (die hat sogar noch Garantieschein und eine Schriftprobe von der Produktionsfirma – sowie ein immer schwächer werdendes blau-rotes Farbband). War auch lange Zeit meine liebste portable Schreibmaschine. Jetzt sind es eine Hermes Baby (die passt wunderschön in den Rucksack) und eine Olympia Splendid 33 (die ist vom Tippen her besser als die Hermes Baby).

    Ich mag den Stil der Princess – bis auf den Zeilenschalthebel. Den finde ich, wenn ich mir die Maschine so anschaue, fast schon etwas billig.

    Ich selbst habe leider keinen Platz bzw. Rückzugsraum, wo ich die Schreibmaschinen auseinander nehmen bzw. reinigen kann. Ich habe gehört, dass – weil die Prinzessin eben so klein ist – es relativ unhandlich ist mit ihrem Innenleben.

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  2. Moin Rodja
    Meine Princess hatte auch Garantieschein und eine Beschreibung mit dabei. Ja, die Princess ist etwas filigran, aber kein Vergleich zu dem Puzzlespiel mit der Adler Favorit. Ich habe sie auch nicht auseinander genommen, sondern nur abgeschraubt was abzuschrauben ging. Dann bin ich mit Pinsel, Zahnbürste, Druckluft, Reinigungsbenzin und Spritus dabei gegangen. Ja die Olympia Splendid 33 hab ich auch schn mal als Reisemaschine ins Auge gefasst. Ebenso die Hermes Baby, wobei die mir ganz schön bieder aussieht, aber vielleicht gibt es ja auch etwas fabiges. Ich habe mich noch nicht wirklich damit befasst, weil ich mich eigentlich, ja eigentlich auf alte Adler Girls spezialisieren wollte. Jetzt entdecke ich meinen Hang zum 60er Design. Na mals sehen.

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