Kappel Modell 2, Baujahr 1927 (54)

Abgeholt: 26. Juni 2020 in Norderstedt b. Hamburg
Modell: 2
Herkunft: Chemnitz-Kappel, Deutschland
Seriennummer: 63778
Baujahr: 1927
Mechanik: Vorderaufschlag
Renoviert von: Heiko Stolten im Juni 2020

1927
Februar: Zwischen Frankfurt und New York wird erstmals ein Ferngespräch über Funk geführt.
Mai: Die Reichsbahn führt die 24-Stunden-Zeitangabe ein: Statt 1 Uhr nachmittags heißt es nun 13 Uhr usw.
Oktober: Gründung des Versandhauses „Quelle“ in Fürth.

Erstes Foto – Man beachte die gewaltigen Füsse!

Besonderheiten der Kappel 2

Eine große, schwere Kappel 2. Eine Standard Büromaschine.
Warum denn so eine völlig normale?

Eben drum, weil sie für mich etwas besonderes ist, zumindest das was ihre geniale Konstruktion betrifft. Aussehen und Funktionen der Kappel sind unbestritten völlig unspektakulär, zumindest im Vergleich mit anderen „normalen“ Standard Büromaschinen. Nichts besonderes also, aber …

1.) Der Wagen ist innerhalb weniger Sekunden abgenommen
2.) Die Einheit der Schreibwalze ist ebenfalls per Hebel abnehmbar
3.) Der Wagen ist Kugel gelagert und läuft sehr leicht
4.) Der Zugriemen fädelt sich selbst und völlig mühelos ein und aus.
5.) Alle Typen sind auf Knopfdruck leicht entnehmbar
6.) Urig! Kolonnensteller mit Reiter

Für mich ist diese Kappel 2 eine sehr besondere Schreibmaschine, deren Konstruktion und Einfachheit ich ehrlich bewundere. Die lässt sich für mich „Nicht-Schreibmaschine-Mechaniker“ wunderbar leicht auseinander nehmen und wieder zusammen bauen.

Originalzustand • Nikotin-Vergilbt und mit X-Beinen

Etwas zur Kappel

Einen frühen Mischkonzern, so würde man so eine Firma heute wohl nennen. Von der Firma Kappel wurden Strickmaschinen, Wirkmaschinen, Tüllwebstühle, Maschinen für die Holzbearbeitung, Motoren und Werkzeugmaschinen hergestellt.
Ab 1914 kam die Produktion von Standardschreibmaschinen hinzu, die den damaligen modernsten Ansprüchen gerecht wurden.
Die erste Schreibmaschine, das Modell 1, wurde 1921 durch das hier gezeigte Modell 2 abgelöst und kostete 400 Mark. Optisch betrachtet sind Modell 1 und 2 bis auf wenige Kleinigkeiten identisch.

Kleinschreibmaschinen gab es auch von Kappel. 1931 übernahm man die Herstellungsrechte der „Diamant“ Modell 30, die bis 1932 unter dem Namen „Klein-Kappel“ hergestellt und vertrieben wurde.
Die danach unter den verschiedenen Namen, wie „Kappel Knirps“, „Kappel-Fips“, „Kappel VA“, („VA“ steht für „Vereinfachte Ausführung“), oder „Kappel-Privat“ ausgelieferten Kleinmaschinen waren ausnahmslos keine Eigenproduktionen, sondern umgelabelte Produkte der Olympia-Werke Erfurt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg gehörte Sachsen zur Sowjetisch Besetzten Zone. Die Kappel Werksausstattung wurde Teilweise zerstört, 1945 demontiert und in die Sowjetunion geschafft. Im verbliebenem Rest der Firma wurden von 1945 bis 1948 Ersatzteile produziert und Schreibmaschinen repariert. 1948 erlitt die Firma das selbe Schicksal wie einige andere Erfolgreiche Schreibmaschinenhersteller, sie wurde enteignet und zum „Volkseigenen Betrieb“ deklassiert. Das war’s! Ende, aus und vorbei. Die Schreibmaschinenproduktion wurde nicht wieder aufgenommen.

Eine Sasquatch, Bigfoot oder Yeti ?

Sie steht ausnahmsweise einmal gleich bei mir um die Ecke. Ich konnte sie nur 15 Minuten nach Feierabend selbst in Norderstedt bei Hamburg abholen. Also purer Luxus und ohne Portokosten.

Anzeigenfoto

Der Anzeigentext der mich lockte die Kappel zu kaufen lautete:

Schreibmaschine Kappel. Baujahr ist 1917. Stand immer auf dem Schrank. Funktioniert noch einwandfrei nur das Farbband ist trocken.

Einzig der kleine Aufkleber, dieser kleine Katzen-Troll mit Schmetterlingsnetz stört mich weil er da nicht hin gehört und führt zum Punktabzug der sich sogar in einem Preisnachlass wieder findet.
Vielleicht bekomme ich ihn ja entfernt.

Beim abholen, man glaubt es kaum, steht sie auf etwa 5 cm hohen Riesenfüssen. Vier gewaltige und klotzige Füsse, zurecht geschnibbelt aus Filz. Auf dem Anzeigenfoto ist das nur zu erkennen, wenn man es weiß. Die Extrafüsse sind mit eben solchen extra langen Schrauben auf die Original Gummifüsse aufgeschraubt. Das sieht nicht nur plump und Grauenhaft aus, sondern zerkratzt mir, weil die Schrauben nicht versenkt sind, auch noch den Schreibtisch. Also vielleicht ist das gar keine Kappel, sondern eine Bigfoot, Yeti oder Sasquatch?

Das Equipment um eine Kappel höher legen zu können. Wenns’s Spass macht!

Man hatte die Kappel also einst höher gelegt.
Warum?
Ich weiß es nicht!
Als einen Vorläufer eines SUV vielleicht?
Bestimmt nicht?

Damals war es ja doch eher moderner, zum Beispiel ein Auto, tiefer anstatt hoch zu legen.
Oder ob einst ein sehr großer Mensch oder ein Sitzriese davor saß? Oder jemand mit langen, großen Händen?
Egal, das klobige Design wird jedenfalls sofort demontiert und zurück gebaut. Gott sei dank sind die Originalfüsse vorhanden und unversehrt.

Kneipen-Aura aus alter Zeit

Nachdem der Summer mir die Haustür öffnete rieche ich es bereits im Parterre. Und je höher ich komme, die Kappel steht in der 2. Etage, desto eindringlicher wird der Gestank. Ich ahne böses!
Und tatsächlich, aus der Wohnung des Anbieters wabert mir erbarmungslos die Aura einer Uralten verräucherten Kneipe entgegen. Durch die schon geöffnete Haustür, auf deren Schwelle die Kappel abgestellt war, strömt der schwere Mief einer schlecht gelüfteten Raucher-Wohnung ins Treppenhaus, bis hinunter zum Parterre.
Hier stinkt es wie ein scheinbar seit Wochen nicht mehr entleerter Aschenbecher. Dank Corona-Kriese trage ich eine Gesichtsmaske die das etwas abmildert. Ich übergebe nur das Geld an die Inserentin die gerade eine blau qualmende Kippe im Mundwinkel hat, nehme die Maschine vom Boden hoch, bedanke mich höflich, und verschwinde sofort aus diesem Dunstkreis.

Ich ahne bereits was der armen Kappel angetan wurde, oder besser gesagt wovon ich sie befreien muss. Wie hieß es in der Anzeige? „Stand immer auf dem Schrank.
Wie lange wohl?
Jahrzehnte?
Auf dem Anzeigenfoto ist nichts von Raucher-Ablagerungen zu sehen. Jedoch, das was hier im Blitzlicht metallisch zu glänzen scheint, entpuppt sich später in der Werkstatt als Messingfarbener Nikotinüberzug.

Das sieht sogar ganz nett aus, wie ich zugeben muss. Schwarze Tasten mit goldfarbenen Tastenringen.

Erste Besichtigung und Tests

Sie zieht, und das teste ich zuerst, das Papier sauber und gerade ein. Alle Walzen sind rund, haben genügend grip und keine hat sich Platt gestanden.
Zweiter Test: Die Typen! Alle sind frei beweglich, und sie schreibt auf Anhieb mit dem angeblich alten und vertrocknetem Farbband das sogar noch sehr gut funktioniert. Dennoch, es stinkt nach Kneipe und fliegt sofort danach in den Müll.
Das vom Inserent angegebene Baujahr von 1917 stimmt auch nicht, es ist in wahrheit Baujahr 1927, wie die Seriennummer erkennen lässt.

Alles funktioniert tadellos, nur die Farbbandumschaltung von Schwarz zu Rot muss ich justieren, was aber wohl kein Problem darstellen wird.

Schreiben kann sie auf Anhieb, nur etwas ungenau.

Technisch ist sie komplett und funktionell. Optisch hat sie keine Beschädigungen, nur wenige Gebrauchsspuren und keinen Rostansatz. Aber ich muss sie, wie es scheint, fast komplett zerlegen um den Nikotinbelag aus allen Ecken und Gelenken putzen zu können. Nach der Stoewer Record, die in Rekordzeit wieder Startklar war, wird die Kappel nun viel Zeit zum Reinigen in Anspruch nehmen. Armes Ding!
Aber nachdem das Farbband entsorgt ist wird auch der Gestank auf ein erträgliches Maß abgesenkt. Am nächsten Tag riecht sie schon wieder fast neutral. Das wird schon, denke ich!
Den Originalzustand würde ich mal als völlig verkrustet beschreiben.

Wagenrennen

Verdammich noch eins! Es wird, so wie ich das sehe, wirklich jeder kleine Hebel und jede noch so kleine Schraube demontiert werden müssen. Ich hatte probeweise die Tabulatorschiene abgeschraubt und geputzt. Sie glänzt jetzt wieder wie neu. Sehr beeindruckend. Nur sieht es, nachdem ich sie wieder angebracht habe, wirklich merkwürdig aus. Eine hochglänzende Tabulatorschiene neben den anderen, noch mit Nikotin überzogenen Metallteilen die mehr nach ungleichmäßigem Messing als nach Hochglanz aussehen. Das geht so nicht!
Als nächstes habe ich mich am Zeilenschalthebel versucht, ihn demontiert, wieder auf Hochglanz gebracht und zurück gebaut. Das selbe Ergebnis, das sieht Sch… aus!
Zusammen mit den anderen Hebeln mutet das jetzt einer bunten Metallmischung an. Es muss alles raus und poliert werden.

Zuerst den Wagen auseinander nehmen und polieren.

Also Demontage streng nach Plan, damit mir nichts abhanden kommt, und ich nichts durcheinander bringe. Begonnen wird oben an der Maschine, also mit dem Wagen, und zwar NUR mit dem Wagen.

Viel Platz zum Großputz machen.

Zuvor mache Detailfotos von allen Teilen, damit ich hinterher, und das passiert garantiert, nicht wieder wie der Ochs vorm Berg dastehe und nicht weiß wo welcher Hebel mit welcher Feder wieder richtig verbunden und angeschraubt wird.
Die Kappel, selbst bleibt dazu auf dem Tisch in der Schreibstube stehen. Nur den Wagen nehme ich nach der Fotosession mit in die Werkstatt. Zuerst wird das Innere Teil mit der Schreibwalze bearbeitet, dann das äußere Teil des Wagens. Auf diese Weise bleibt es für mich übersichtlicher.
Sagenhaft, alleine für den Wagen, innen sowie außen, brauche ich ganze 5 Stunden um alle Kleinteile nach und nach zu demontieren, zu putzen und dann wieder an Ort und Stelle zu verbauen. Aber es lohnt sich.

Der Talisman

Alsdann kommt das Frontblech, das Papierblech und die Farbbandhalterungen an die Reihe und werden in die Werkstatt gebracht. Und so geht es Stück für Stück und Kleinteil für Kleinteil weiter. Der kleine Troll in Form einer Katze auf dem Frontblech, läßt sich nicht so einfach entfernen und er grinst mich fröhlich an. Jedenfalls werde ich ihn nicht los ohne den Lack anzugreifen oder zu beschädigen. Frecher Kerl!

Also mache ich meinen Frieden mit dem kleinen Typen und lasse ihn wie und wo er ist. Wer weiß, vielleicht ist der ja schon antik. Ich ernenne ihn kurzerhand und hiermit zum persönlichen Talisman der Kappel.

Beide Bleche glänzen wieder wieder wie neu. Ob eine Nikotinschicht auch die Eigenschaften hat Metall zu konservieren? Es sieht fast so aus. Unter dem Nikotin ist nicht ein Quäntchen Rost zu entdecken. Nach dem putzen glänzen alle Teile wieder wie Nagelneu, und selbst der Troll erscheint irgendwie frischer, irgendwie jünger.

Einzelteile nacheinander polieren und wieder einsetzten

Innenschau leicht gemacht

Wie gesagt, es lassen sich der Wagen und die Typen Kinderleicht entfernen. Nimmt man dazu noch das Frontblech ab, die Farbbandhalterungen, die Farbbandantriebsstangen und die Filzauflage für die Typen heraus, eröffnet sich viel Platz um auf einfache Weise Großputz machen zu können. Ein scheinbar großes Loch gähnt da wo eben noch die Typen waren. Mit dem Frontblech muss auch der schöne maritime Zeiger für die Farbwahl entfernt werden, der mit samt der ebenso maritimen Farbwahlanzeige völlig vergilbt ist. Ebenso die Taste für den Kolonnensteller, die völlig verkrustet ist. Sie ist genau so verkrustet wie alle übrigen Tasten der Tastatur. Aber das kommt später dran und ich bin guter Dinge, denn ich habe zwei Tasten probeweise abgenommen, geputzt und wieder eingesetzt. Das sieht wirklich vielversprechend und glänzend aus.

Zwei Tasten schon mal probeweise geputzt.

Die Kappel ist ebenso genial konstruiert wie eine z. B. eine Continental Standard, wie die Adler Standard, eine Triumph 10/12 und wie die alte Tante Odoma. Alles lässt sich ohne Mühe abmontieren, reinigen und wieder einsetzen. Selbst die Tasten sind schnell abgenommen und wieder aufgesetzt. So macht das richtig Spaß.

Typen reingen

46 zugesetzte Typen. Hier ist Handlungsbedarf.

Die Typen sind schön dick mit Farbbandresten und alter Farbe zugesetzt. Das Schriftbild ist dementsprechend matschig, wie man weiter oben sehen kann. Es werden alle Typen ausgebaut. Innerhalb von etwa einer Minute hat die Kappel mir alle Typen sozusagen heraus geworfen, so einfach geht das hier. Echt klasse!

Ein ganzer Haufen verdreckter Typen

Über Nacht werden sie in Petroleum eingeweicht und anschließend, einer nach dem anderen poliert. Unter der Lupe werden alle Verkrustungen aus den Vertiefungen entfernt. Das klingt ganz einfach. Ist es auch, aber dauert gefühlt eine Ewigkeit.

Hier ist das Segment, der Lack und die Kleinteile schon poliert, und die Typen kommen einer nach dem anderen zurück ins traute Heim. Ja, und der Talisman hat auch wieder frischere Farben vorzuweisen.

Erneuerungsrituale

Links sieht man deutlich die dicke gelbliche Nikotinschicht auf dem Farbwahlzeiger. Rechts ist der Zeiger und die verschraubte Halterung für die Farbwahl schon wieder schön sauber und glänzend. Nur die Farben selbst muss ich noch erneuern und auffrischen, denn das rechte Farbfeld war einst Knallrot.

Fleißarbeit

Ab jetzt ist alles nur noch Fleißarbeit. Technisch ist die Kappel perfekt, hier besteht kein Reparaturbedarf. In der Tat nehme ich ihr ab jetzt nur Kleinteil für Kleinteil ab, baue es auseinander, poliere die Nikotinschicht herunter und setze es anschließend wieder ein. Ein eher Langweilige Job der mir ziemlich dreckige Hände einbringt und meinen Vorrat an Metallpolitur schrumpfen lässt.
Wieder einmal wird mir klar aus wie vielen, unzähligen Kleinteilen eine Schreibmaschine besteht, und das dies ja einst von Jemanden konstruiert worden sein muss. Brillant! Meine Hochachtung dafür!

Rundherum schon poliert. Die Tasten sind noch unbearbeitet, dafür kommen aber jetzt die Typenhebel zurück. Zwei sind schon fertig poliert.

Die meiste Zeit nehmen die 46 Typen und die 50 Tasten der Tastatur in Anspruch, denn die sind wirklich sehr mit einer hartnäckigen Kruste überzogen. Ich nehme mir jeden Typenhebel einzeln vor und nehme jede Taste einzeln ab um sie zu polieren.

Meditation und andere Wiederholungsschleifen

Das wirkt auf mich ziemlich schnell so wie eine Meditation. Es wirkt nicht nur so, sondern das ist auch so. Meine Hände rotieren wie von selbst, so wie in einer Wiederholungsschleife im Kreis auf dem Metallstück während mein Geist dabei still und stiller wird, solange bis er keinen einzigen Gedanken mehr von sich gibt.
Herrlich diese Ruhe in meinem Werkstatt-Mikrokosmos. Diesen Zustand beim Schreibmaschinen basteln kenne ich schon vom Schreiben auf einer Schreibmaschine.
Wozu brauche ich also ein Meditationskissen, indische Räucherstäbchen und ein lang gezogenes OOOMMM bei sphärischer Ambient Klängen?
Ich brauche dafür lediglich etwas Petroleum, Metallpolitur, einem Lappen und eben diese Schreibmaschine aus Deutschland.
PINNNGGG – Da schau her, die Glocke ist fertig poliert und wieder an Ort und Stelle.

Die Glocke und der Wagen sind schon Nikotinfrei. Der Mechanismus zum spannen der Aufzugfeder und der Lack sind noch unbearbeitet.

Dabei fällt mir ein, – gibt es wohl indische Schreibmaschinen? Interessanter Gedanke der sich da gleich nach dem „Ping“ einschleicht! Okay, das wäre jetzt eine andere Geschichte. Nicht ablenken lassen, weiter mit der Kappel-Meditation!

Endspurt wird verschoben

Währenddessen ich meditativ die Tastenköpfe und Typenhebel poliere, fällt mir immer dann wenn ich einen frisch polierten Typenhebel oder einen Tastenkopf wieder einsetzte, der schon fertige Wagen ins Auge, der ja bereits wieder Einsatzbereit auf der Kappel thront. Das Zahnrad der Schreibwalze glänzt nicht richtig, die Furchen sind schmuddelig und die Innenseiten der Walze ist ebenfalls unschön. Das glotzt mich förmlich an, und reißt mich sehr aufdringlich aus jeder Polier-Meditation.

Soweit bin ich schon gekommen.

Ich redete mir ein, ich könnte da bisher nicht richtig ran kommen, und ich hätte es deshalb ja nun mal Großzügig ignorieren müssen.
Alles klar soweit?
Es wird jedoch mit jedem Hochglänzendem Typenhebel und mit jedem ebenso funkelnden Tastenkopf der seinen Weg zurück in die Kappel findet offensichtlicher. Pfusch!! Hier habe ich echt gepfuscht.

Etwa auf Halber Strecke vernachlässige ich vorerst die Typenhebel und Tasten und rupfe den Wagen noch einmal auseinander. Dieses mal aber richtig. Dieses mal entnehme ich auch die Schreibwalze um unter ihr, an ihr und an den Innenseiten des Wagens putzen zu können. Ohah, will ich mir das zutrauen?

Da muss ich noch mal ran. Da führt kein Weg dran vorbei.

Vigeliensch! Wie man bei uns so sagt. Das ist Plattdeutsch und bedeutet soviel wie schwierig oder fummelig, denn der Zeilenschalthebel muss vorher komplett entfernt, sein Mechanismus zerlegt werden, damit man die Walze entnehmen kann.
„Au Backe“, wenn das mal gut geht!
Ab montieren ist meist einfach, so auch hier. Mal sehen was wird wenn ich das wieder zusammen bauen möchte. Jedenfalls wird der Wagen jetzt auch von der Innenseite her Blitzeblank. Eijeijei, hier siehts ja noch richtig dick nikotinös belegt aus. Ist jetzt jedoch nicht mehr ganz so viel zu tun, ich hatte ja schon vorgearbeitet.

Sommerpause

Aber wie dem auch sein. Ich mache jetzt erst einmal Pause. 17.6.2020, der Corona Lockdown ist so gut wie vorbei, das Wetter ist sommerlich, der Garten braucht Zuwendung und das Wohnmobil steht sehnsüchtig nach Reisen auf unserer Auffahrt. Alles Dinge die mich aus dem Werkstatt-Keller heraus locken. Nur die restlichen Tasten werde ich in den nächsten Tagen noch polieren, ansonsten ist die Kappel wieder Klar zum Schreiben.

Fertig

Heute, am 23.06.2020 ist sie fertig geworden und hat ihren ersten Schreibtest mit Blitzblanken Tasten absolviert. Sie schreibt wunderbar, macht wenig Krawall und hat ein klares Schriftbild.

Einzig die farbigen Felder für den Zeiger der die Farbbandumstellung anzeigt habe ich noch nicht renoviert. Hier muss noch ein blaues und ein rotes Feld folgen. Mir ist noch nicht klar mit welcher Farbe ich das mache. Vielleicht mit Nagellack oder Permanentmarker?

Schreibt wieder sehr gut.

So eine, (mir fällt kein passenderes Wort ein) verkommene Tastatur habe ich noch nie gesehen. Hartnäckige Krusten rundherum, und auf jeder Taste ein sehr harter und zäher Belag auf den Glasplättchen. Ich musste mit meinem winzigen Schraubendreher die Krusten anschaben um dann mit halbtrockner Politur das Glas und die Fassungen wieder blank zu bekommen. Drei Stunden Arbeit. Soviel habe ich noch nie für eine Tastatur benötigt. Aber die Mühe hat sich, wie man, sieht gelohnt

© 2020 Schreibstube Krempe
Fotos & Text by Heiko Stolten

5 Gedanken zu “Kappel Modell 2, Baujahr 1927 (54)

  1. Hallo Heiko,

    tolle Arbeit! Das Ding glänzt wieder in neuem Zustand und macht sich bestimmt gut.
    Ich bin gerade selbst daran eine Kappel 2 aus 1924 zu restaurieren. Die hat leider keinen guten Besitzer gehabt, die war komplett verrostet und ich musste jedes teil einzeln ausbauen. Noch bin ich dabei aber das Ende naht. Ich hab da nur ein paar kleine Probleme, könntest du mir da vielleicht ein paar Tips geben? Vielleicht per e-mail?
    Ich würde mich sehr freuen von dir zu hören.

    Liebe Weihnachtsgrüße und einen guten Rutsch
    Adrian

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      • Hallo Heiko,

        es gibt bei der Kappel mehrere Achsen die wohl etwas schwieriger zu lösen sind, so z.B. die Leertasten-Achse, welche sowohl eine Schraube als Drehpunkt hat aber um die Schraube drumherum ein Gewinde (denke ich) was man abschrauben kann. Ich habbe schon alles mögliche Probiert, kriege aber diese speziellen Schruaben nicht auf. Ich muss eigentlich die gesamte Tastatur entnehmen um sie zu reinigen aber diese Achse ist mir im Weg. Hast du diese Achsen entfernt und wenn ja wie? Braucht man spezialwerkzeug?

        Grüße
        Adrian

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      • Hallo Adrian  Meine Kappel hatte ich gar nicht so weit demontiert. Die Typenhebel zu entnehmen ist immer eine heikle Sache. Ich habe schon mehr als einmal erlebt, dass wenn man eine Maschine auseinander nimmt die an die 100 Jahre unangetastet ist, dann ist der zusammenbau manchmal etwas defizil weil sich scheinbar das Metall, wie soll ich sagen, scheinbar an den zusammengebauten Zustand angepasst hat. Wenn ich eine derart auseinander nehme habe ich es schon öfter erlebt, dass manche Teile anschließend nicht mehr 100%ig passen. So als hätte sich etwas gedehnt oder als wäre etwas im winzigen Millimeter Bereich geschrumpft. Die Folge war immer das das was vorher leichtgängig war nun Schwergängig wurde. Das ist nicht immer so, aber es passiert so dann und wann. Das wieder hinzubiegen ist immer eine langwierige Sache, darauf verzichte ich gerne. Ich lasse da Gestänge meist so wie es ist und reinige so weit es geht.  Gruß Heiko Schlagfertige Tippsen <comment-reply@wordpress.com> h

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      • Hallo Heiko,

        alles klar. Ich habe trotzdem mal die Hebel ausgebaut (einzeln) da diese wirklich dringend putzbedraf hatten. Ich habe sie aber inklusieve Federn sortiert und weiß somit welches Teil wohin gehört, außerdem bin ich da nur mit der Drahtbürste unterwegs weshalb ich denke dass es schon passen sollte. Hoffen wir mal auf das besste….

        Danke für deine Hilfe!
        Grüße
        Adrian

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