Triumph, Modell 10, Bj. 1931 (22)

Dezember 2018

Ein perfekter Schrotthaufen

Triumph 10, 1931 Vorne links

Nicht mehr die „Schönste“, aber sie tippt wieder perfekt

Genau das war sie als ich sie bekam, ein Schrotthaufen. Und genau dort wäre sie auch hin gewandert, hätte ich sie nicht davor bewahrt. Vorgesehen hatte ich sie zum ausschlachten und zur Teilegewinnung. Schrauben, Federn und andere Teile sind ja immer willkommen um andere Maschinen wieder zu komplettieren. Und so stand sie vorerst unangetastet im Nebenraum und harrte traurig ihrer Demontage.

Fundzustand – Erbärmlich

Fast völlig unbeweglich!
Die Typen zäh bis starr. Der Schlitten machte wohl ein  schmerzverzerrtes Gesicht als ich ihn das erste Mal bewegen wollte und quittierte nach wenigen Zentimetern knarzend seinen Dienst. Ob die Glocke noch funktionieren würde war nicht ersichtlich, denn der Schlitten blieb vor dem zu erwartendem „ping“ verstockt stehen.

Die Typen selbst waren die Schau. So etwas hatte ich bisher noch nie gesehen. Man konnte nicht mehr erkennen welche Schriftart der Triumph 10 inne wohnte. Jede einzelne Type war komplett mit Farbbandresten zugesetzt und rundherum dick verklebt. Das erinnerte eher an Brailleschrift als an eine lesbare Schreibmaschinenschrift. Bestenfalls hätte die Triumph einen schwarzen Klecks aufs Papier bringen können, hätten sich die Typen dazu ermuntern lassen aufs Papier zu schlagen. Deshalb wurde sie wohl einst aussortiert, wegen Mangel an Schriftbild. Alles in allem völlig verdreckt, rostig und dicker ehemaliger Staub der sich mit allerlei anderen Dingen, die in keine Schreibmaschine hinein geraten sollten, verklebt hatte. Also ein Schrotthaufen. Ein Schrotthaufen der jetzt allerdings bei mir steht, anstatt auf einem Recyclinghof.

Ehrgeiz

Irgendwann packte mich der Ehrgeiz. Das passiert meist dann wenn ich gerade kein  aktuelles Restaurationsobjekt mehr habe.
Bevor ich sie demontiere will ich doch wenigstens einmal ausprobieren, ob ich sie nicht doch  wieder in Bewegung versetzen könnte. Ob ich es schaffen würde! Also demontierte ich sie so als würde ich sie restaurieren wollen. Schön die Schrauben und die anderen Teile sortieren und nicht wie wild in meine Ersatzteilkiste werfen. Gedacht – getan! Zunächst einmal widmete ich mich dem Schlitten. Der muss doch irgendwie wieder in Schwung kommen!

Doch zuerst wird abgestaubt um überhaupt erst einmal sehen zu können was sich darunter verbirgt und was wieder Zutage kommt. Soweit alles okay, wie es scheint. Alle Teile sind an ihrem Platz. Danach bin ich den abgestaubten Teilen mit der Bürste und einer Mische aus Spiritus und etwas Öl zu Leibe gerückt. Ebenso bin ich beim gesamten Mechanismus unter dem Schlitten vor gegangen. Dabei habe ich festgestellt, dass die Triumph 10 kein Aufzugband hat, sondern sehr genial von einem Zahnrad angetrieben wird. Und genau das saß fest! Super Technik, die sollten alle Schreibmaschinen haben. Hier ist jedenfalls noch nie ein Aufzugband gerissen.

Triumph 10, 1931 Schlitten rechts

Der Schlitten läuft wieder frei und geschmeidig

Nach der Prozedur mit der Reinigungsflüssigkeit hatte ich den Schlitten schon mal probeweise wieder auf die Maschine gesetzt. Zuvor die Aufzugdose etwas putzen und wieder gangbar machen und spannen, was bei der Triumph ebenfalls eine ganz einfache Sache ist. Und siehe da, der Schlitten rastet sofort ein und läuft so leicht wie wohl schon lange nicht mehr. Nach gut 2 Stunden war dieses Thema schon mal Geschichte. Technisch zumindest, optisch sah das noch lange nicht nach einem Schmuckstück aus.

Der Schlachter wird zum Notarzt

Das jedenfalls ließ meinen Ehrgeiz nur noch mehr wachsen. Die unwilligen Typen sollte ich doch auch wieder in Bewegung versetzen können, oder?! 
„Aber klar doch“!
Und ehe ich mich versah befand ich mich wieder einmal mitten drin. Mitten in der Wiederbelebung der sterbenden Triumph 10. Ich kann es einfach nicht übers Herz bringen eine Tippse auf die Schlachtbank zu führen. Und von jetzt an lief alles wie am Schnürchen. Und so als hätte Fräulein Triumpf meinen Sinneswandel vernommen, begab sie sich voller Vertrauen in meine Hände und machte es mir wirklich leicht sie zu verwöhnen. Die Triumph triumphierte und ich freute mich über den Reibungslosen Verlauf dieser Wiederbelebungsmaßnahme.

Typenausbau leicht gemacht

Den Typenkorb zu lösen war wieder erwartend einfach. Ich war fest auf verrottete Schrauben und eine großzügige Portion Rostlöser eingestellt. Gott sei Dank war das falsch erwartet. Alles ließ sich einfach lösen.

Und das tollste! Die Typenhebel lassen sich, nachdem der Typenkorb gelöst und nach vorn geklappt ist, einzeln entnehmen. Das macht die Sache um einiges einfacher. Die Schlitze lassen sich so gut von vorne und hinten reinigen. Nur das wieder einhängen ist eine ziemliche Fummelei. Je weiter man sich von links oder rechts nach unten vor arbeitet, desto schwieriger wird es. Wahrscheinlich nur, weil ich damit ungeübt bin.

Die Triumph hat nur
einen einzigen Buchstaben

Alle Typen kannten nur einen einzigen Buchstaben. So etwas ähnliches wie ein ausgefranstes, matschiges „O“. Eigentlich mutet jeder Buchstabe eher einem verwaschenen Klecks an. Nun ja, mal etwas besonders. Eine Schreibmaschine die Kleckse macht. Wer hat schon so ein seltenes Teil?

Ich konnte in der Tat nicht erkennen welche Schriftart ich hier vor mir hatte. Könnte Normalschrift sein, könnte aber auch Fraktur sein. Was aber wohl eher unwahrscheinlich bei einem Baujahr, dass ich laut Seriennummer auf 1931 datieren konnte. Aber eine kursive wäre doch nett, das würde mir gut gefallen. Die Typen waren derart von altem Farbbandresten und sonstigem Zeugs verklebt und zugesetzt, dass ich nichts als Schwarz-braune Klumpen entdecken konnte. Die ließen sich auch nicht einfach weg wischen, sondern dies war eine harte und zähe Masse.

Schriftart bestimmen unmöglich

So intensiv habe ich noch keine Typen freilegen müssen. Über Nacht habe ich sie in einem mit Waschbenzin getränkten Lappen eingeweicht. Am nächsten Morgen die Ernüchterung. Keine Fraktur, keine Kursiven Buchstaben! Nein, eine ganz handelsübliche Schreibmaschinenschrift war jetzt, noch undeutlich zwar, aber eindeutig zu erkennen.  Schade!

Dieses Konglomerat aus verhärtetem Dreck war zäher als ich vermutet hatte. Die nächtliche Einweichprozedur brachte zwar die Oberfläche der Buchstaben wieder zum Vorschein, aber in den Vertiefungen und rund um die Buchstaben herum rankte sich nach wie vor zäher Dreck wie verhärtetes Kaugummi. Schrubben mit einer harten Bürste brachte zwar erste Ergebnisse einer Freilegung, aber nicht wirklich gute.

Triumph 10, 1931 Innen

Inside the Triumph. Wieder ganz annehmbar!

Typen-Retusche

Mir blieb nichts anderes übrig als unter der Lupe jedem einzelnen Buchstaben zu Leibe zu rücken. Das erinnert mich doch sehr an meine ersten Berufsjahre als Lithograf. Damals hatten wir noch, als es noch kein Photshop gab, alles per Hand gemacht. Retuschen und dergleichen. Und eben auch viel am Leuchttisch unter der Lupe gearbeitet. Das kann ich also ganz gut!
Eine Nacht hindurch einweichen und zwei Stunden filigrane Feinarbeit mit einem feinem Stichel unter der Lupe war meine bisher längste Typenreinigung, aber das Ergebnis ist eindeutig. Normale Schrift, aber in einem sehr guten Zustand. Das dürfte ein klares Schriftbild ergeben.

Triumph 10, 1931 Schriftbild

Wieder ein klares Schriftbild

Und wie man sieht! Ein wahrlich klares Schriftbild. Diese Triumph 10 ist sogar schon das Modell welches mit einem Zweifarbigen Farbband schreiben kann. Das wurde drei Jahre früher, also 1928 eingeführt. Habe ich also Glück gehabt nicht das Vorgängermodell erwischt zu haben das nur einfarbig schreiben konnte.

Seriennummer plumpst aus dem Schlitten

Diese Maschine ist schon kurios. Als ich den Schlitten das zweite mal von ihr abnahm und auf den Kopf stellte um ihn einer Endreinigung zu unterziehen plumpste ein Stück Metall heraus und fiel auf den Boden. Bei solchen Sachen bin ich ja immer sehr Schreckhaft. Nämlich dann, wenn mir etwas entgegen kommt und ich nicht gesehen habe wo es her kam. So geschehen mit diesem Stück Metall. Ich hatte es erst zur Seite gelegt um mich dem Schlitten weiter zu widmen. Ich konnte jedoch keinen Anhaltspunkt finden wo es wohl her gekommen sein könnte.

Die Triumph präsentiert mir
ihre Geburtsurkunde

Und wie ein Marmeladenbrot, so fiel das Teil natürlich mitten auf seine Marmeladenseite, bzw. auf die eingestanzte Seriennummer. Somit habe ich sie erst gar nicht als solche wahrgenommen, sondern als ein loses Metallteil das heraus gefallen ist. Das mir die Triumph damit aber ihre Geburtsurkunde zu Füssen legte hatte ich, weil ich vor Schreck fast erstarrte, nicht gleich bemerkt.
Gewundert hatte ich mich allerdings darüber, dass sich die Seriennummer (128180) auf der Innenseite der Maschine befindet. Genauer gesagt hinter dem abschraubbaren Mechanismus für die Aufzugdose.  Und da ist sie an seiner Rückseite befindet und von Außen nicht zu sehen ist, hätte ich lange danach gesucht. Auf normalem Wege hätte ich die nicht so schnell gefunden. Einige Zeit später nahm ich mir noch einmal dieses Metallplättchen vor, und siehe da, das war das Plättchen mit der äußerlich Sichtbaren Seriennummer. Also ihre Geburtsurkunde. Aber wo gehört die hin? Ich habe es bisher nicht heraus gefunden, ist ja auch nicht so wichtig. Ich habe es vorerst am Schlitten an eine passende Stelle geschraubt.

Triumph 10, 1931 Seriennummer

Vorläufiger Ort der Seriennummer. Oben links am Schlitten

Nach weiteren vielen Stunden Reinigungsarbeit ist sie nun wieder uneingeschränkt Einsatzfähig und schreibt tadellos. Wieder eine Maschine vor dem endgültigen verschrotten gerettet.

Triumph 10, 1931 Vorne rechts

Man sieht ihr ein hartes Arbeitsleben an.

Und was soll ich sagen? Ich mag sie. Sie wird die Schreibstube Krempe und das baldige Schreibmaschinenmuseum um ein weiteres Exemplar bereichern. Und je länger ich sie betrachte, um so schöner wird sie für mich. Naja, und das schreiben mit ihr, was ja nun mal das wichtigsten für mich ist, macht sie noch um einiges attraktiver. Schreiben kann sie super, das hat sie voll und ganz unter Beweis gestellt. Sicherlich weil sie Froh darüber ist letztendlich nicht doch noch in ihre Einzelteile zerlegt worden zu sein.

Triumph 10, 1931 Tastatur

Auch die völlig verdreckte Tastatur sieht wieder ansehnlich aus.

Nun lebt sie wieder. Leider gibt es keine Fotos ihres Urzustands. Ich hatte sie ja gar nicht für eine Restauration vorgesehen, und somit auch auf Fotos verzichtet. Schade eigentlich! In Zukunft werde ich alle Maschinen fotografieren. Löschen kann ich sie dann ja immer noch.

Geburtsurkunde wieder am
angestammten Platz

Und dank den Sammlerkollegen aus dem I.F.H.B. hat das Plättchen mit der Seriennummer auch wieder an seinen angestammten Platz zurück gefunden. Hinter dem Papierhalteblech. Naja, von da ungefähr hatte Fräulein Triumph es mir ja auch zu Füssen gelegt. Freche Göre!

Juni 2019

Eine weitere Entdeckung

Im Mai 2019 hatte ich, nur um sie später wieder weiter zu verkaufen, eine Triumph 12 gekauft. Sie würde für eine kleine Finanzspritze für mein nächstes Projekt sorgen, soviel wusste ich. Es war ein Post-Sondermodell für das Telegrafenamt aus dem Jahr 1935 (Nummer 28).

Durch die Restauration der Continental Standard kam ich auf die Idee zu versuchen die Typen zu entfernen. Hier befanden sich ganz ähnliche Druckknöpfe im Typenkorb. Und tatsächlich, es fiel ein Typenhebel nach dem anderen heraus. Kinderleicht!

Anschließend, das ist ja wohl klar, wollte ich das an meiner Triumph Model 10 auch ausprobieren. Da steckten ja noch immer die rostigen Typenhebel drin.
Und siehe da, es funktionierte! Auch bei diesem älteren Modell. Nun konnte ich ihr wenigstens zu etwas mehr Glanz verhelfen, denn ihre Typenhebel waren auf einer Seite ziemlich verrostet. Die stand wohl lange in feuchter Zugluft von rechts, während die linken Seiten der Typenhebel im Windschatten ihren ganz passablen Glanz behielten. Und wenn die Typenhebel entfernt sind, hat man auch schön viel Platz um darunter gut sauber machen zu können. Das ging nämlich vorher nicht so elegant.

Das heraus nehmen war verhältnismäßig einfach. Das wieder einsetzten hingegen nicht. Die ersten zwei Stunden habe ich mir fast die Finger daran gebrochen.

Es gibt aber eine ganz bestimmte Methode und eine ganz bestimmte Stellung der Typenhebel in der dies mit geringer Gewalt funktioniert. Bei dem Modell 12 haben sich die Typenhebel von selbst wieder mit ihren Verbindungen verknüpft. Das war Kinderleicht. Das Modell 10, also dieses hier, welches auch ein paar Jahre älter ist, war da bedeutend zickiger. Es hat einige Zeit gedauert bis ich den Bogen heraus hatte. Wenn man es aber einmal kapiert hat, geht es recht zügig.
Die Triumph 10 ist nun wieder mit halbwegs glänzenden Typenhebel ausgerüstet. Das also war nicht so der burner, denn es funktionierte ja alles reibungslos. Was aber viel wichtiger ist, nun ist sie auch innerlich durch und durch sauber. Und ich habe wider etwas dazu gelernt.

Neue Pumps für Fräulein Triumph

Als kleines Schmankerl konnte ich ihr sogar neue Pumps verpassen. Ich bekam zwischenzeitlich vier tadellose Gummifüße geschenkt die ihr wie angegossen passen. Nun zerkratzt sie mir nicht mehr den Schreibtisch und ich kann sie öfter benutzen. Das ist auch gut so, denn eine dicke Filzmatte unter ihr machte sie noch höher als sie eh schon ist. 

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