Olympia SM 1 und 2 (72)

Von links: SM2 von 1961 / SM 1 von 1950 / SM 1 von 1949

Hier kommt eine „unvollständige“ Zusammenstellung in Kurzform, denn ich wollte nicht alle SM 1 bis 2 Modelle der Reihe nach und getrennt voneinander vorstellen. Dazu sind sie mir nicht unterschiedlich genug, was aber nicht als Mangel zu werten ist. Hinzu kommt, ich habe bislang kein Modell 3 und 4 in meiner Sammlung. Nicht weil sie so selten sind, sondern weil mir ihr Design nicht so gut gefällt.
Getreu dem Motto: Hat man ein Exemplare, so hat man alle. Es sei denn man sammelt um genau diese Unterschiede hervorheben zu wollen. Das wäre aber nicht in meinem Sinne.

Kleine Modellkunde

Nun, was hätte Olympia an einer perfekten Konstruktion wie der SM-Reihe großartig verbessern können? Das war meines Erachtens gar nicht möglich. Die Olympia SM 1 war und ist noch immer perfekt. Es konnten lediglich nur Kleinigkeiten verändert werden. Sei es ein hinzugefügter Tabulator oder Kollonnensteller, gefederte Tasten, eine variable Farbgebung, Lackierung oder anders platzierte Randsteller sowie die Optik selbst, die immer mal wieder geringfügig dem Zeitgeist angepasst wurde.

Schließlich wurde die Kleinschreibmaschine von SM 1 bis SM 4 über 13 Jahre hindurch gebaut und unterlag mehreren, sich damals schnell wechselnden Modeströmungen, begonnen 1949 bis in die frühen 60er Jahre. Von bieder bis Rock ’n Roll, von praktischer Nachkriegskleidung bis hin zu Pettycoats, und Nietenhosen. Mechanisch jedoch blieb alles weitestgehend unverändert. Und das war auch gut so.
Dieses Prinzip wurde auch in den späteren Modellen von SM 5 bis 9 fortgeführt. Selbst den Flachschreibmaschinen der Modelle „SF“ und Splendid 33, 66 und 99 wohnte diese überragende Qualität der Mechanik inne.
Erst Mitte der 1970er Jahre, und mit dem sich zuspitzenden Preiskampf durch asiatische Anbieter verlor sich allmählich die gute Qualität und fiel dem Discounterprinzip zum Opfer. Eine Olympia Traveler ist da wohl der Beginn solcher Zwangsmaßnahmen und einsparungen gewesen. Erst noch in Westdeutschland gebaut, dann aber unter Billigflagge im ehemaligem Jugoslavien genbaut verlor sich die gute Qualität von Olympia mehr und mehr.

Etwas zu Olympia

Die Marke Olympia wurde 1930 eingeführt, und 1936 in
„Olympia Büromaschinenwerke AG“ umgetauft.

Nach dem 2. Weltkrieg, die ursprünglichen Olympiawerke in Erfurt waren größtenteils ausgebombt, flohen viele Olympianer, so nannten sich die Mitarbeiter, mit den geretteten Konstruktionsplänen nach Westdeutschland und gründeten, um die Produktion von Schreibmaschinen so schnell wie möglich wieder aufnehmen zu können, ein neues Schreibmaschinenwerk.
Vorläufig für kurze Zeit unter bescheidenen Verhältnissen in Bielefeld unter dem Namen „Orbis Büromaschinenwerke“ und dann, ab 1946 in Wilhelmshaven im schnell wachsenden Stil. Das Ostdeutsche Werk wurde ebenfalls wieder aufgebaut und produzierte auch nach alten Konstruktionsplänen vorerst auch unter dem Markennamen Olympia. Es kam zu einem Rechtsstreit um den begehrten und eingeführten Markennamen „Olympia“
1949 wurde dem Westdeutschen Werk der bekannte Markenname Olympia zur Weiterführung gerichtlich zugesprochen. Das Ostdeutsche Werk hatte das Nachsehen und nannte sich fortan ähnlich, nämlich „Optima Büromaschinen VEB„.
Olympia war wiedergeboren! 1950 erhielt das Orbis Werk in Westdeutschland den Namen „Olympia Werke West GmbH“ und wurde 1954 noch einmal und letztendlich in „Olympia Werke AG Wilhelmshaven“ umbenannt.

Die SM 1 bis SM 4 Modelle
Eine Erfolgsgeschichte

Was bedeutet eigentlich „SM„?
Schlicht und ergreifend „Schreibmaschine Mittelgroß“.
Dazu gab es das Modell „SF“ (Schreibmaschine Flach) und ein Modell „SG“ (Schreibmaschine Groß). So viel dazu! Die SM Modelle wurden von 1949 bis 1962 gebaut. Die Olympia SM 2 gilt zudem als eines der erfolgreichsten Schreibmaschinenmodelle der Geschichte. Neupreis um 420,- D-Mark.
SM 1 von 1949 bis 1951
SM 2 von 1951 bis 1961 ( Ein Jahr lang etwa wurden SM 1 und SM 2 parallel gebaut.)
SM 3 von 1952 bis 1960 parallel zur SM 2 mit Kollonnensteller gebaut
SM 4 von 1958 bis 1960. SM 2 und SM 4 wurden noch bis 1962 in geringen Stückzahlen neben dem folgenden Modellen SM 5 und SM 7 gebaut.

SM 1 (Schwarz) von 1949

Abgeholt: 23.11.2021 in Hamburg/Schenefeld
Modell: SM 1 (Schwarz mit Kräusellack)
Herkunft: Büromaschinen Werke
Seriennummer: 10656
Baujahr: 1949
Mechanik: Vorderaufschlag
Farbband: 13 mm auf Din Spulen, zweifarbig
Besonderheit: Sehr frühes Modell der SM 1 mit Holzkoffer
Renoviert von: Heiko Stolten, Schreibstube Krempe

Olympa SM 1 aus der sehr frühen Phase, Baujahr 1949. Dünne, runde und flache Tasten, kurzer Zeilenschalthebel, keine Zierleisten und die Papierstütze ist noch aus gebogenem Draht gefertigt.

Diese schwarze SM 1 mit Kräusellack entstammt genau jener Zeit. Nämlich der Zeit der Umfirmierung von Orbis hin zu Olympia. Diese Umbenennung fand natürlich nicht binnen weniger Tage statt sondern bedurfte sicher einiger Vorlaufzeit. Aus genau dieser Zeit stammt meine schwarze Olympia, also eine aus der ganz frühen Phase. Die Orbis erschien 1949 auf dem Westdeutschen Markt. Im selben Jahr wurde das Urteil zugunsten der Orbiswerke ausgesprochen und es wurden ab 1950 wieder Olympia Schreibmaschinen hergestellt. Genau in dieser Zwischenzeit wurde diese SM 1 gebaut.

So habe ich sie gefunden

Gefunden hatte ich sie in einer Anzeigenbörse. Ganz unspektakulär also. Und eigentlich interessierten mich die SM Modelle bisher eher wenig, es sei denn es ist eine Orbis oder eine SM 1 mit einer schönen Lackierung. Glattes schwarz wäre jetzt nicht das was mich bei einer Nachkriegsmaschine umhauen würde. Mattschwarz mit Kräusellack steht da schon sehr viel höher bei mir im Kurs. Eben ein Exemplar wie dieses hier. Die SM Modelle gibt es noch wie Sand am Meer, die sind also nicht nur auf verschlungenen Pfaden zu finden. Eine Orbis oder eine frühe SM 1 ist da mittlerweile schon eine kleine und feine Besonderheit, wenn sie denn einen tollen Lack hat und sich im gutem Zustand befindet.

Auf dem Anzeigenfoto hatte ich sie zunächst als eine SM 1 mit schwarzem Kräusellack identifiziert. Also eine die ich für abholenswert erachte. Eine SM 1 mit schöner Lackierung. So wie es scheint ist sie auch in recht gutem Zustand. Angeblich soll sie sogar funktionieren. Ich kann auf dem Foto auch keine auffälligen Gebrauchspuren entdecken. Mal abwarten! Der geforderte Preis steht jedenfalls in einem harmonisch ausgewogenem Verhältnis zur Entfernung, so das es sich trotz der irren Benzinpreise lohnt einen kleinen Umweg nach Feierabend in Kauf zu nehmen.

Noch immer plagen wir uns mit inzidenzien, Maskenplicht, 3G und Abstandsregeln herum, was ein Gespräch mit der Verkäuferin leider nicht gerade beflügelt sondern eher auf ein Minimum herab setzt. Schade, ich erfahre immer gerne etwas zu einer Schreibmaschine!

Ein Erbstück wäre die schwarze SM 1, soviel konnte ich ihr entlocken. Mehr nicht! Ansonsten nehme ich sie unbesehen mit. Sie bleibt erst einmal ein Überraschungspaket.

Ich werde mir vor der Haustür der Verkäuferin bei Dunkelheit und Nieselregen kaum eine schwarze Schreibmaschine eingehend ansehen können. Das lasse ich mal sein. Zuhause bleibt die SM 1 jedoch auch erst einmal in ihrem verschlossenem Koffer im Hausflur sich selbst überlassen. Es gibt andere Dinge zu tun, und eine SM 1 ist wahrlich keine Rarität auf die ich schon lange aufgeregt gespitzt hätte. Zwei Stunden musste sie warten bis ich sie aus ihrem Kofferknast befreie.

Sie kommt mit einer schönen
Überraschung zum Vorschein

Erster Blick. – Die Seriennummer! – 10656. Mein zweiter Blick wandert in die Burghagenliste von 1953. Baujahr 1949 wird mir da gezeigt. Und jetzt wird es verwirrend, denn laut Seriennummer dürfte diese kleine schwarze keine Olympia sein, sondern sollte noch auf den Namen Orbis hören. Es steht aber unübersehbar Olympia drauf. Laut Burghagenliste ist die erste SM 1 mit Namen Olympia erst mit der Seriennummer 12301 erschienen. 1645 Einheiten liegen also zwischen der Schwarzen und einer Olympia. Ich vermutete erst das es sich wohl um ein Exemplar aus der Restproduktion der Orbis handeln könnte, die als Orbis gebaut wurde und die dann zu einer Olympia hergerichtet und verkauft wurde.

Dem war aber nicht so, denn es sind, soviel weiß ich jetzt dank des I.F.H.B. , nur einige wenige Exemplare der SM 1 von Olympia bekannt die in diesem niedrigen Seriennummernbereich von 10.000 liegen. Also die sehr frühe Exemplare der SM 1 darstellen. Diese kleinen Unregelmäßigkeiten waren damals als die Listen von Burghagen erschienen offenbar für die Fachwelt, für die diese Listen ja erstellt wurden, nicht von großer Bedeutung. Warum auch, denn die Orbis und die frühen SM 1 Modelle waren Baugleich und sogar identisch. Und es handelte sich maximal um ca. 1600 Einheiten. Erst spätere SM1 Modelle wurden geringfügig verändert.
Ich habe also wieder einmal Glück gehabt und eine der seltenen, sehr frühen SM 1 Exemplare ergattert die Baugleich mit der Orbis ist. Zu erkennen am kleineren Zeilenschalthebel und an der aus Draht gebogenen Papierstütze. Spätere SM 1 hatten eine Stabförmige Papierstüze zum ausklappen und einen komfortableren, größeren Zeilenschalthebel.

Erstaunlich guter Zustand

Sie schreibt, nachdem ich sie aus ihrem Koffer befreit habe, sofort los wie Schmitz Katze. Nichts klemmt, alles flutscht und funktioniert geschmeidig. Selbst die Walzen haben noch grip und fühlen sich nicht so verhärtet an wie man es nach über 70 Jahren vermuten müsste. Mit einem neuen Farbband erzeugt sie ein sehr schönes, feines und Randscharfes Schriftbild. Prächtig!
Der Wagen gleitet beinahe Geräuschlos hin und her, so als wäre er gestern zuletzt gewartet worden. Einzig ein wenig Staub, aber kaum der Rede Wert, befindet sich in ihr, nur die Typen, die sollten Grundgereinigt werden. Danach wäre sie als Neuwertig zu betrachten.

Rote SM 1 von 1950 und die schwarze von 1949. Zierleisten und Zeilenschalthebel, sowie Papierstütze sind unterschiedlich.

SM 1 (Rot) von 1950

Abgeholt: März 2019 in Barmstedt
Modell: SM 1 (Burgund-Rot mit Kräusellack)
Herkunft: Olympia Werke
Seriennummer: 79590
Baujahr: 1950
Mechanik: Vorderaufschlag
Farbband: 13 mm auf Din Spulen, zweifarbig
Besonderheit: Späteres Modell der SM 1 schon mit dicken Tasten
Renoviert von: Heiko Stolten, Schreibstube Krempe

So kam sie zu mir

Als ich sie abholte war sie praktisch im Neuzustand, Kein Rost, kein Staub und keine Patina. Wie die Schwarze SM1 war sie vom ersten Moment an voll einsatzbereit und bedurfte nur einer kleinen Grundreinigung. Mehr nicht. Ich kann mich nun nicht mehr entscheiden welche ich schöner finde diese rote oder die schwarze. Beide sind ein Modell SM 1 und diese hier ist eine aus der späteren Bauzeit. Man sieht deutlich den Unterschied. Die Papierstütze ist ein teleskopartiger Stab zum ausklappen geworden. Der Zeilenschalthebel ist deutlich länger als bei der schwarzen, die Seiten wurden mit Zierleisten versehen und die Tasten sind dicker geworden. Das war’s auch schon. Technisch sind sie beide identisch.

SM 2 von 1961 (Grau)

Geschenkt bekommen: März 2019
Modell: SM 2 (Mehrfarbig Grau)
Herkunft: Olympia Werke Wilhelmshaven
Seriennummer: 1863897
Baujahr: 1961
Mechanik: Vorderaufschlag
Farbband: 13 mm auf Din Spulen, zweifarbig
Besonderheit: Spätes Modell der SM 2 mit der kleinen Raumsparschrift Perl
Renoviert von: Heiko Stolten, Schreibstube Krempe

Sie war, als ich sie geschenkt bekam, in einem absoluten Traumzustand. Wie neu! Es schien als wäre die Maschine nie oder nur sehr selten benutzt worden. Optisch schon etwas anders als die beiden SM 1. Bei dieser SM 2 ist der Rahmen etwas dicker und robuster gebaut. Das Olympia Logo ist nach Vorne versetzt worden und das Papierführungsblech ist kleiner geworden. Die Tasten haben nun eine Trapezform und sind nicht mehr rund. Insgesamt wirkt sie etwas massiger und nicht mehr so zierlich. Ihre Leertaste ist größer und optisch in den Rahmen integriert. Farblich sagt mir diese Kombination nicht so ganz zu. Dennoch mag ich sie sehr weil sie mit der verkleinerten Schrift Perl ausgerüstet ist.

Fazit

Jetzt in der Gesamtheit betrachtet, und das hatte ich bisher so noch nicht für nötig befunden, finde ich die SM Modelle entgegen meiner früheren Betrachtungen doch ganz ansprechend. Dennoch, die Orbis und die SM 1 bleiben optisch betrachtet meine Favoriten. Obwohl ich bisher weder eine SM 3 oder SM 4 zu Gesicht bekommen habe. Aber das brauche ich auch nicht, denn die Unterschiede sind marginal.
Und weil ich zwei Dinge sehr mag, dass Renovieren und das Schreiben auf einer Schreibmaschine, komme ich, wenn es um das Schreiben geht, um so eine Olympia SM 1 nicht herum.
Zugegeben, die Rote SM 1 mag ich sehr wegen ihrer Optik. Ich stehe nun mal auf kräftige Farben. Die Graue SM 2 liegt mir Optisch nicht so sehr, dafür aber macht sie sich durch ihre Schriftart für mich unwiderstehlich. Sie Tippt mit einer feinen, kleinen Schriftart, ist aber auch lauter als die anderen. Die Schwarze Orbis/SM1 mag ich wegen ihres schönem schwarzen Teint’s und weil sie eine Zeitzeugin, wie oben beschrieben ist.

Bei näherer Betrachtung der SM Modelle ist mir im Grunde jetzt auch die Schriftart egal, denn alle Modelle haben eines gemeinsam. Alle glänzen durch ein sehr schönes, feines und klares Schriftbild, sodas die normale Pica hier wieder sehr von Vorteil ist.
Dieses klare, feine und gestochene scharfe Schriftbild habe ich bisher nur noch bei den Triumph Norm und Perfekt Modellen der Nachkriegszeit gefunden. Gut also das solche Olympia Modelle im ungereinigten und unrenoviertem Fund-Zustand noch für wenig Geld zu bekommen sind.

Was mich jedoch im Nachhinein erstaunt ist das die beiden „alten Damen„, also die zwei SM 1 Modelle, die gut zehn Jahre älter als die mittlere SM 2 sind, wesentlich weicher, sanfter und präziser tippen als ihre jüngere Schwester.
Beide SM 1 sind unüberhörbar leiser. Und beide SM 1 klingen nahezu identisch, während die SM 2 einen ganz anderen, lauteren Sound hat. Sie klingt einfach billiger. Ob das sein kann? Ist das nur bei meinen Exemplaren so oder bei allen? Zum schreiben würde ich mich immer für eine der SM 1 Modelle entscheiden.

© 2019 – 2021 Schreibstube Krempe
Fotos & Text by Heiko Stolten

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