Adler 7 zerlegt

Stück für Stück wird sie wieder her gerichtet.
Das Adler Modell 7 aus dem Jahr 1922
wird auseinander gebaut, gereinigt, poliert, instandgesetzt und wieder zusammen gesetzt.

1. Foto
Zustand am
Tag der
Abholung.
Baujahr 1922

Eine Schreibmaschine die jahrzehntelang unbewegt herum stand, schlimmstenfalls in einem Keller, ist immer reinigungsbedürftig. Diese hier ist so eine. Sie sieht auf den ersten Blick ganz passabel aus. Sie funktioniert sogar anstandslos. Jedoch auf den zweiten Blick offenbart sich ihr wahrer Zustand. Staubig, dreckig voller Spinnweben und mit hartnäckiger Nikotinpatina behaftet. Auch ihr Geruch ist eindeutig – Kellermuff! Der erste Schritt nachdem ich eine Schreibmaschine gekauft habe ist es sie zu fotografieren und anschließend zu demontieren. Dies ist das erste Foto! So habe ich sie bekommen.

So sieht
es tatsächlich
in der
Adler aus.

Unter dem zur Seite geschobenen Schlitten wird es erstmals offenbar. Es scheint als wäre der Adler über die Jahrzehnte ein Fell aus Staub, Dreck und toten Insekten gewachsen. Hier sollte es eigentlich satt schwarz und metallisch glänzen. Erstaunlich, dass sie in diesem Zustand immer noch tadellos funktioniert.

Deshalb
wird
sie fast
völlig demontiert

Jetzt, nachdem so gut wie alle Teile demontiert sind, beginnt die Reinigung. Jedes Teil hat die erste Nacht über in einem Petroleumbad zugebracht. Tags darauf werden sie mit Metallreiniger bearbeitet, anschließend mit Hartwachs konserviert und poliert. Wo das nicht ausreicht kommt der Dremel zum Einsatz. Er entrostet und poliert hartnäckig verschmutzte Metallteile. Hier ist der sehr verdreckte Rahmen schon wieder fast wie neu aussehend. Danach erhalten die daneben liegenden Teile ihre Reinigung und Politur.

Langsam
wächst wieder
zusammen was
zusammen
gehört.

Die Stange des Rückstellers und die des Umschaltmechanismus sind wieder an ihren Platz zurück gekehrt. Ebenso der Rückstellhebel und die Halbmondförmige Stange samt Auslösemechanismus sind schon wieder an Ort und Stelle.

Wenn die Stange mit dem Zahnrad und Glocke schon poliert und in das gähnend leere Loch eingesetzt wäre, dann könnte der wieder hübsch aufpolierte Schlägel nach Herzenslust das „Ping“ für das Zeilenende ankündigen. Doch Momentan würde sein schlag nur lautlos ins Leere gehen. Direkt unter dem Schlägel, da wo die einsame Schraube neben dem kleinen Nippel im Rahmen wartet, fehlt noch der kleine hochglänzenden Abstandhalter für die Wagenführung den sie in der Balance halten soll. Davon gibt es bei der Adler 7 insgesamt drei Stück auf den Rahmen verteilt.

Die selbe Stelle wie auf dem zweiten Foto von Oben zu sehen. Auch schon wieder recht passabel, nicht wahr?! Im Hintergrund sollen bald wieder dreißig Typenhebel in den noch verschmutzten Hebelkorb eingeführt werden. Im Hintergrund wartet der Halbmondförmige Mechanismus der den Vorschub auslöst auf den Wagen den es, dann wenn er wieder montiert ist, vorzuschieben gilt. Doch eines nach dem anderen.

Und
weiter
geht’s.

Die gelochte Haltestange für die 30 Schrauben die die 30 Federn beherbergen und spannen sollen, die wiederum die Typenstangen sich auf und ab bewegen lassen, ist wieder an ihren Heimatort zurück gekehrt. Ebenso der „Kamm“, diese geschlitzte Halterung aus Aluminium, in die später die Typenhebel eingelegt werden, glänzt wieder metallisch anstelle von braun-schwarzer Patina. Hier besser zu sehen. Die Halbmondförmige Stange die von den Typenhebeln bei jedem Anschlag nieder gedrückt wird und somit den Wagen um einen Buchstaben weiter vor rücken lässt.

Das wird
wieder …
Oben: Ein
weiteres
Teil wartet
auf seine
Rückkehr in
die Adler.

Beim nächsten Schritt wird der gesamte, in seine Einzelteile zerlegte, Farbbandtransport wieder montiert. Links ist die Aufzugdose, rechts die Glocke. Beide sind gereinigt, poliert und glänzen um die Wette. Oben wartet bereits der gereinigte und polierte Typenhebelkorb darauf seinen angestammten Platz wieder einnehmen zu dürfen.

… und hier ist
er auch schon wieder implantiert.

10 Minuten später ist er wieder an Ort und Stelle. Der Typenhebelkorb. Nun sieht das schon mal annähernd so aus als könnte das mal eine Schreibmaschine werden. Wenn jetzt schon die ersten Typenhebel in ihrer Halterung stecken würden, wäre das Bild einer wachsenden Schreibmaschine perfekt.

Hahaha, nun muss ich aber selbst lachen. Hier habe ich einen kapitalen Fehler gemacht. Wer weiß welchen? So jedenfalls wird das nie und nimmer funktionieren können.

Kleinteile dürfen natürlich auch nicht vernachlässigt, und schon gar nicht vergessen werden. In meiner Anfangszeit als selbsternannter Schreibmaschinenbastler ist es mir mehr als einmal passiert dass ich eine SM auseinander genommen hatte und anschließend nicht mehr wusste wo welches Kleinteil hin gehörte.
Für den Laien gar nicht so einfach zu erkennen, deshalb habe ich sie Markiert, die drei kleinen Justierschrauben samt ihren glänzenden Haltern die bald wieder dafür sorgen werden, dass der Schlitten gerade läuft und nicht ins schwanken gerät.

Richtig. Die gelochte Stange für die Spannfedern der Typenstangen war Seitenverkehrt eingebaut. Hier ist sie jetzt schon gedreht und wieder funktionell.

Nun hat die Adler ihre, wie ich immer sage, Augen zurück bekommen, nämlich ihre Halterungen für die Farbbandspulen links und rechts. Des weiteres sind jetzt schon die Feststeller für die zwei Flügeltasten links und rechts Außen montiert. Und es sind die ersten drei Tasten wieder eingesetzt, mit Federn gespannt und natürlich poliert. Bei den zwei Flügeltasten bin ich mir noch nicht sicher ob ich sie wieder verwende. Die sind doch schon ziemlich rostig. Mal sehen ob ich die wieder hin bekomme oder durch schönere ersetzte.

Die Flügeltasten bleiben. Unter ihrem Dreck verbarg sich doch noch mehr Glanz als ich vermutet hatte. Alle Tasten wieder an Bord. Nun fehlen noch die Typenstangen die jetzt gereinigt und poliert werden. Ebenso die Typen selbst. Sie werden von alten Farbbandresten gereinigt. Dazu stehen sie schon seit einigen Stunden zum einweichen in einem Petroleumbad.

Und da sind sie! Die frisch aufgearbeiteten Typenstangen. Bisher zu reinigen und zu polieren waren: 30 Typenhebel, 30 Spannfedern, 30 Federschrauben, 30 Typenstangen. Das ist die Arbeit die ich am Langweiligsten finde. Immer das selbe, scheinbar nicht enden wollend, aber für ein perfektes Gesamtbild leider unerlässlich.

Jetzt hat sie schon fast wieder das typische Design einer Adler 7 zurück erhalten. Das frisch polierte Typenhebelblech mit der goldenen Aufschrift „Mod. No 7.“ ist mit samt neuen Filzunterlagen zur Dämmung der Tippgeräusche aufgeschraubt. Selbst die zwei kleinen Schrauben dafür glänzen wieder verführerisch. Auf den Typenstangen thront auch schon wieder ihre schwarz glänzende Halterung.

Fertig! Der schön geschwungene Deckel gibt ihr mit der goldenen Schrift ihr typisches Jugendstil Gesicht zurück. Jetzt fehlt nur noch der Schlitten und die Farbbandspulen mit einem Farbband.

Der Schlitten wurde natürlich auch auseinander genommen und genau so gründlich aufgearbeitet wie die Maschine selbst. Das hier zu dokumentieren erspare ich mir hier. Jetzt ist es so weit. Der erste Schreibtest steht an.

Schreibtest mit Bravur bestanden. Jetzt nur noch ein neues Farbband bestellen und sie ist wieder eine perfekte Schreibmaschine mit der immer noch flott geschrieben werden kann, und wird.

Fertig. Vorher und nachher.
Gewisse Unterschiede sind zu erkennen, nicht wahr? Insgesamt, und auch nur weil meine Frau über das Wochenende auf Reise war und mir somit Langweilig war, habe ich die Adler Dame an nur einem Wochenende restauriert. Dafür benötige ich sonst mehrere Wochenenden. In Stunden ausgedrückt bedeutet das in etwa 15 Stunden Arbeit.

Verkauft

Die hübsche Adler hat am 07.09.2019 ein neues Zuhause gefunden. Sie wurde sozusagen direkt aus der Schreibstube Krempe heraus mitgenommen. Ein junger Mann, etwa 25 Jahre jung hatte sich beim besichtigen der Schreibstube in das Adler Modelle 7 verliebt. Fünf standen zum schreiben zur Verfügung – diese war zu verkaufen, und so durfte sie weiter ziehen, samt eines Holzkoffers, aber ohne Papierhalter. Den Papierhalter brauche ich selbst zum schreiben, und der ist gar nicht so leicht zu bekommen.